Tastaturbelegungen (Keybindings) für Window Manager für Linux und Unix-Systeme (Auswahl)

In der Diskussion um verschiedene Linux-Distributionen wie z.B. Ubuntu oder aktuell Magela, werden häufig die verwendeten Fenstermanager als Argument für die Wahl der einen oder der anderen Distribution genannt.

Wenn berücksichtigt wird die Tatsache, dass es in allen Distributionen möglich ist, den Standard-Fenstermanager unter Linux auszutauschen.

Für LINUX- und UNIX-Systeme existieren neben relativ großen Desktop-Umgebungen wie KDE, UNITY oder GNOME, bei denen eine Vielzahl von Diensten gestartet werden, auch kleinere Oberflächen. Teilweise haben diesen Oberflächen eigene Desktops mit Icons, Panels und der Möglichkeit, Hintergründe einzustellen. In solchen Fällen spricht man von Desktop Umgebungen (Desktop Environments).

Es gibt aber auch eine Gruppe besonders kleiner und Ressourcen schonender Fenstermanager, die hier kurz vorgestellt werden sollen. Sie verzichten auf jeden Schnickschnack. Dafür sind sie aber sehr sparsam, laufen auch auf der ältesten Hardware und sind äußerst schnell.

Es geht an dieser Stelle nicht um Feinheiten der Konfiguration. Auch weiterführende Informationen werden Sie hier vergeblich suchen. Stattdessen soll ein schneller Überblick gegeben werden, wie man die schlanken Window Manager „zum Laufen kriegt“, damit sie handlebar werden.

I3

Ein schöner und schörkelloser Windowmanager, der einen schlichten schwarzen Hintergrund hat, ist I3. Der Hintergrund ist anders als bei anderen Windowmanagern nicht konfigurierbar. Möchte man ein Hintergrundbild haben, ist es z.B. möglich, I3 aus FLUXBOX heraus zu starten. Dann übernimmt I3 das Hintergrundbild von FLUXBOX.

In Ubuntu können Sie I3 einfach mit

sudo apt-get install i3

installieren.

Beim ersten Start von I3 muss man die MOD-Taste festlegen.
Zur Auswahl stehen die WIN- oder die ALT-Taste.

Logout: WIN – SHIFT – [e]
Launcher (gmrun) starten: WIN – [d]. Hier können ähnlich wie bei SYNAPSE oder KUPFER die ersten Buchstaben des angezielten Programmnamens eingegeben werden. Es erscheint im Panel eine Liste mit den möglichen Programmen, die sich mit zunehmender Anzahl der Buchstaben immer weiter reduziert. Wenn man sich einmal dran gewöhnt hat, ist die Bedienung sehr komfortabel.

Tiling anschalten: WIN – [t]
Geöffnete Fenster hintereinander sortieren: WIN – [w]

DWM

Der „Dynamic Window Manager“ (DWM) ähnelt in vielerlei Hinsicht I3. Anders als bei I3 stehen 9 virtuelle Desktops zum Umschalten zur Verfügung. DWM hat standardmäßig einen schwarzen Hintergrund.

In Ubuntu können Sie DWM einfach mit

sudo apt-get install dwm

installieren.

Der Launcher (gmrun) wird über ALT und [p] gestartet.
Tiling kann über ALT und [m] abgeschaltet und übe ALT und [t] wieder angeschaltet werden.
Der Logout wird über SHIFT + ALT + [q] gesteuert.

XMONAD

So ähnlich wie DWM. Oftmals ist statt der ALT-Taste auch die WIN-Taste als MOD eingestellt.

Über ALT + [p] wird im Header der Launcher (gmrun) geöffnet.

Mit ALT + [LEERTASTE] kann man durch die verschiendenen Layoutvarianten navigieren.

ALT + [SHIFT] + [j] bringt eine Anwendung, die hinter der fokussierten Anwendung ist, in den Vordergrund.

In Ubuntu können Sie XMONAD einfach mit

sudo apt-get install xmonad

installieren.

Auch XMONAD bringt als default-Einstellung einen schwarzen Hintergrund mit.

Openbox

Starten und das Kontextmenü mit der rechten Maustaste aufrufen. Fertig.

Schade, dass der Hintergrund standardmäßig dunkelgrau und nicht schwarz eingestellt ist.

Über ObConf lässt sich das Erscheinungsbild der Kontextmenüs einstellen. Praktisch, quadratisch, gut.

In Ubuntu können Sie OPENBOX einfach mit

sudo apt-get install openbox

installieren.

BLACKBOX

BLACKBOX ähnelt in vielerlei Hinsicht OPENBOX. Sehr einfach und intuitiv. Im Pfad /usr/share/blackbox/styles finden sich die Styles (Farbschemata). Die Hintergrundfarbe kann in der Zeile „rootCommand: bsetroot -solid“ durch das Setzen von „black“ auf Schwarz gesetzt werden.

Wegen seiner einfachen Konfigurierbarkeit ist BLACKBOX im Moment mein persönlicher Favorit.

In Ubuntu können Sie BLACKBOX einfach mit

sudo apt-get install blackbox

installieren.

Der Autostart von Programmen unter BLACKBOX kann folgendermaßen erfolgen.

Zunächst muss mit Root-Rechten unter /usr/share/xsessions die Datei blackbox.desktop verändert werden. Sie sollte folgendermaßen aussehen:

[Desktop Entry]
Name=BB-Autostarterweiterung
Exec=/usr/bin/startbb
Terminal=False
TryExec=/usr/bin/startbb
Icon=blackbox.xpm
Type=Application

[Window Manager]
SessionManaged=true

Anschließend unter /user/bin die Datei startbb anlegen und folgende Zeilen eintragen:

#!/bin/bash

synapse &

u1sdtool &

exec blackbox

Die beiden Programme im Autostart (Synapse und Ubuntu One) müssten natürlich durch diejenigen Programme ersetzt werden, die man selber starten möchte. Außerdem nicht vergessen, das Skript startbb.sh ausführbar zu machen.

RATPOISON

Schön, schnell und einfach ist das Rattengift.
In RATPOISON gelangt man mit STRG + [t] und anschließend [.] zum einem Kontextmenü, dass dem aus OPENBOX ähnelt. Hier wird das Wortspiel „ratpoison“ plausibel: Die Maus (bzw. Ratte) hat bei RATPOISON nichts zu suchen. Es läuft alles über Tastatureingaben.
Wichtige Keybindings sind zum einen STRG + [t] und dann [!]
Anschließend kann man den Namen eines installierten Programms eintippen,um dieses zu starten. Alternativ funktioniert auch STRG + [t] und :exec und anschließend das Programm. Mit STRG + [t] und dann [:quit] kann die Session geschlossen werden. Ratpoison ist also ein genialer WM, wenn man es ein wenig kryptisch mag.

In Ubuntu können Sie RATPOISON einfach mit

sudo apt-get install ratpoison

installieren.

WMII

WMII ist unter Ubuntu 12.10 leider nicht gut dokumentiert. Bisher ist es mir z.B. noch nicht gelungen, herauszufinden, wie die Hintergrundfarbe oder das Hintergrundbild gesetzt werden können. Abgesehen von ästhetischen Gesichtspunkten (möglicherweise ist diese Bemerkung schon bald nicht mehr aktuell) ist WMII ein sehr praktischer Window Manager.

In Ubuntu können Sie WMII einfach mit

sudo apt-get install wmii

installieren.

Beim ersten Start wird festgelegt, ob die Steuerung mit ALT oder mit der WIN-Taste erfolgt. Ich habe mich für die WIN-Taste entschieden.
WIN + Return startet einen Terminal.
WIN + [p] startet das gmpanel.
WIN + [a] startet ein kleines Menü, dass unter anderem den QUIT-Befehl enthält, mit dem man sich von der aktuellen Sitzung abmelden kann.

AWESOME

AWESOME ist ein äußerst schlanker und „leichtgewichtiger“ Fenstermanager. Nicht nur seine Schnelligkeit beeindruckt, auch ist er aufgrund der Tatsache, dass man zwischen mehreren Layouts umstellen kann, sehr flexibel.

Einige wichtige Tastenkombinationen sollte man allerdings kennen, um immer handlungsfähig zu bleiben.

Zunächst einmal kann man im Terminal über den Befehl

$ man awesome

die AWESOME-Manpage aufrufen. Dort findet man alles, was hier fehlt.

WIN + [SHIFT] + [q] beendet AWESOME.

WIN + [m] vergrößert bzw. verkleinert das Anwendungsfenster, das sich gerade im Vordergrund befindet.

WIN + [n] minimiert das Anwendungsfenster und parkt es als Tab im Menü.

WIN + [f] schaltet in den Vollbildmodus und ermöglicht es auch, den Vollbildmodus wieder zu verlassen.

Hinterlasse einen Kommentar