Was habe ich mir da nur angetan. Im März dieses Jahres, vor inzwischen 6 Monaten, die Principles von Ray Dalio gekauft. Auf Englisch. Naja, ich habe es anfangs bitter bereut, wenn ich ein neues Buch lese, fällt es mir immer schwer „reinzukommen“. Erst recht, wenn es in elaborierten Englisch verfasst ist.
Inzwischen lese ich seit ungefähr einer Woche so an die 10 Seiten am Tag und beginne es zunehmend zu genießen. Heute bin ich an einer Stelle angekommen, die mich dazu inspiriert, meine Gedanken in diesem Blog zu dokumentieren.
Ab Seite 30 beginnt ein Kapitel, das die Überschrift „My big depression call“ trägt. Sie schildert die Geschichte Bridgewaters und damit Ray Dalios zu Beginn der 80er Jahre. Reagan, Thatcher, Kohl kamen an die Macht (oder waren kurz zuvor an die Macht gekommen). Die Banken hatten zu hohe Kredite vergeben, Mexiko ging pleite und mehrere weitere Staaten drohten dem mittelamerikanischen Staat in den Bankrott zu folgen.
Dalio war sich damals sicher, dass eine Depression, ähnlicher wie diejenige nach 1929 ins Haus stünde. Dementsprechend positionierte er sich: Er investierte in Bonds und in Gold, nicht aber in Aktien. So hätte er sowohl von einer Depression als auch von einer Deflation profitiert.
Es kam anders: Die Schuldenkrise wurde durch Interventionen der FED und des IWF entschärft und es startete eine 18 Jahre andauernde Aktienrallye. Bridgewater stand am Abgrund, Dalio war pleite und musste alle Mitarbeiter entlassen.
Man kann Dalio und seine Philosophie nur verstehen, wenn man sich in diese Situation hineinversetzen kann.
Mich beeindruckt, wie die Situation der Weltwirtschaft an das heutige Szenario erinnert. Alle Welt positioniert sich für einen Börsencrash im 3. Quartal 2020 (außer die Deutschen, die positionieren sich auf dem Sparbuch und die Welt lacht sich kaputt).
Die Erfahrung zeigt, dass alles aber auch ganz anders kommen kann.
Nassim Taleb lehrt uns, dass die Welt viel zufälliger ist, als wir es uns bewusst machen können.
Ein schwarzer Schwan, mit dem alle rechnen, ist kein schwarzer Schwan mehr. Er wird sogar ein Stück weit unwahrscheinlich, egal wie sicher die Wette aussieht.
Eine „kugelsichere“ Anlagestrategie müsste also so ausgerichtet sein, dass sie in allen möglichen Szenarien (Deflation, Inflation, Boom, Stagflation) funktioniert. Viele, die das erkannt haben, versuchen sich angelehnt an einem Allwetter-Portfolio nach Dalio zu positionieren.
Das Paradox ist vielleicht, dass in dem Moment, wo sehr viele Anleger einer solchen Strategie folgen, wiederum eine neue Herde entsteht, von der sich fernzuhalten, äußerst klug ist.
