Welche Auswirkungen hat es wohl, wenn immer häufiger Politiker, die der einen oder anderen Strömung in der bundesdeutschen Gesellschaft unlieb sind, Attacken auf ihr Zuhause und ihr persönliches Umfeld ausgesetzt sind?
Kommen diese Attacken aus der linken Ecke, sollte man annehmen, dass eine Motivation darin bestünde, eine mehr egalitär ausgerichtete Gesellschaft zu etablieren.
Abgesehen davon, dass solche Attacken moralisch hochgradig verwerflich sind. Sind sie denn funktional?
Ich glaube nicht. Man überlege: Wer wird künftig noch Politiker werden wollen, wenn das Risiko (aus der linken Ecke) mit Wandschmierereien und Bedrohungen konfrontiert zu werden oder gar (aus der rechten Ecke) mit gar mit Morddrohungen oder der Möglichkeit einer Schusswaffenattacke konfrontiert zu sein.
Meine These: Diese Entwicklung im politischen Raum dürfte allgemein dazu beitragen, dass das Vertrauen darin, dass staatliche Organe die Sicherheit des eigenen Umfeldes Gewährleisten können, dramatisch sinkt.
Möglicherweise werden diejenigen in Deutschland, die sich das leisten können, eine Lösung kopieren, die in den USA bereits gang und gäbe ist. Dort gibt es nämlich sogenannte „Gated Communities“, in denen nach Wehrheim (Jan Wehrheim: Die überwachte Stadt – Sicherheit, Segregation und Ausgrenzung, Opladen 2002) überschlagsmäßig 20 Millionen US-Amerikaner leben.
Bei dem derzeitigen gesellschaftlichen Klima dürfte diese Lebensform in Deutschland erkennbar stärker in den Vordergrund rücken.
