Wer heute wie ich als Erwachsener voll im Leben steht, macht interessante Erfahrungen.
Im Fernsehen werden die verschiedensten Stücke mit Laiendarstellern aufgeführt, die zum Teil ihre Rollen derartig schlecht ausfüllen, dass man sich fragt, welcher Honk den da Regie geführt habe.
An der griechischen Außengrenze der EU spielen paramilitärische Bürgerwehren, die teilweise mit griechischen Neonazis durchsetzt sind, Räuber und Gendarm mit armen Migranten, die mit dem Bus von der Türkei an eben diese Grenze gekarrt werden. Reaktion aus Berlin: indifferentes Schweigen. Konzept: null. Man taucht unter der Krise weg (versucht es, geht aber nicht) und macht so Wahlkampf – ja für wen eigentlich?
Zeitgleich herrscht eine ähnliche Konzeptlosigkeit und Indifferenz bei der Frage, wie mit dem Corona-Virus umzugehen sei. Wirtschaftliche Aspekte (Sorge um die Stabilität der sogenannten Lieferketten) scheinen mit der Sorge einer möglicherweise explosionsartigen Verbreitung des Virus gleich gewichtet zu sein.
Wiederum zum gleichen Zeitpunkt rauschen die Börsenindizes in einer Dimension ab, wie man sie lange nicht mehr gesehen hat.
Der DAX hat im Moment (9.3.2020, 18:48 Uhr) mit einem aktuellen Wert von 10480 den hier skizzierten letzten Widerstand vor einem großen Abverkauf bei 10570 zumindest intraday unterschritten.
Er liegt jetzt mehr als 20% unter dem Allzeithoch vom Oktober 2017 und befindet sich damit offiziell im Crashmodus, wenn man die Sache nicht auf Tagesschlusskursbasis betrachtet. Es dürfte die nächsten Tage noch spannend werden.
Zur Erinnerung: die von mir thematisierten weiteren Marken lagen beim DAX bei 9400, 8055, 7535 oder gar bei 5421 beziehungsweise bei 3823.
Zur Zeit sind das noch recht ungewohnte Zahlen.
Vielleicht gewöhnen Sie sich besser daran, falls der Ölpreisstreit zwischen Saudi-Arabien und Russland noch weitergeht, in Deutschland die Marke von 4000 Infektionen geknackt, Schulen und Fabriken geschlossen und die Leichensäcke knapp werden.
Aber keine Sorge: Nach jedem Gewitter kommt der Tag, an dem wieder die Sonne scheint.
Egal, wie viele Fehler zwischendurch gemacht wurden.
Und wie üblich hoffe ich, dass Sie mich zurecht eines nicht gerechtfertigten Pessimismus zeihen können. Es würde mich sehr freuen.
Bis dahin aber halte ich es mit Schopenhauer:
Erhoffe das Beste und sei gefasst auf das Schlimmste.
Ich selbst habe heute übrigens einen Kauf getätig.
Falls DCP Midstreams nicht pleite geht und die Dividende kürzt, würden mir die heute investierten 300 Euro eine Dividende von 46% einbringen. Jährlich.
Vielleicht klappt es ja. Leben Sie – möglichst gut und lange.
