Die Berichtssaison in den USA beginnt am heutigen 30. März 2020 und zieht sich bis zum 12. April.
Welche Zahlen sind zu erwarten, wie werden sich diese Zahlen auf die Indizes auswirken?
Wenn man in Ruhe darüber nachdenkt, beziehungsweise die Sache mal rein mathematisch angeht, ist einigermaßen klar, was mit einer relativ großen Wahrscheinlichkeit droht.
Neben der Covid-19-Krise müssen die Börsen den durch den Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland verursachten Einbruch der Ölpreise verdauen.
Beide Schocks zusammen bedrohen nahezu die komplette US-amerikanische Fracking-Industrie und damit auch den Anleihemarkt, weil viele Unternehmensanleihen notleidend werden dürften und in der Folge erdrutschartige Bewegungen im Fundament möglich werden.
Weitere Folgenden der aktuellen Situation werden zum Tragen kommen.
So waren beispielsweise Aktienrückkäufe ein sehr relevanter Treiber der Aktienkurse in den vergangenen zwei Jahren. Sie dienten zum einen den CEOs hohe Boni zu kassieren. Zum anderen erhöhte die geringere Zahl der „outstanding shares“, also der zum Verkauf stehenden Aktien, den Gewinn pro Aktie (eps), so dass das KGV auf diese Art und Weise nach unten gedrückt – böse Zungen könnten sagen: manipuliert – wurde.
Diese Aktienrückkäufe sind bis auf Weiteres weitgehend Geschichte.
Die realen Gewinne werden nachvollziehbarer und sinken gleichzeitig durch den Corona-Shutdown massiv.
Beide Tendenzen drohen sich gegenseitig zu verstärken, so dass zum einen die EPS zwischen 10 bis 40 % einbrechen, zum anderen die KGVs bis auf einen Wert von ungefähr 10 bis 12 fallen könnten, wie dies in vielen Krisen zuvor geschehen ist.
Nur mal so zur Orientierung: der S&P 500 steht aktuell (30. März 2020, 23 Uhr) bei 26245. Er stand im Hoch bei 3400, sein „fairer Wert“ gemessen an einem KGV von 15 läge bei 2430 Punkten (28% vom Hoch), das oft erreichte „Krisen-KGV“ von 10 wären 1630 Punkte (52% vom Hoch).
Würden die EPS im S&P 500 um 10% fallen, läge der KGV-15 Fair Value bei 2187 Punkten (35,5% vom Hoch) und das „Krisen-KGV“ von 10 bei 1467 (56% vom Hoch).
Bei einem Einbruch der EPS um 40% wären wir bei einem KGV von 15 bei 1458 Punkten (57% vom Hoch) und bei einem KGV von 10 bei 972 Punkten (71,5% vom Hoch) im S&P 500 angekommen.
Keine sonderlich stabile Situation. Kommt es so ähnlich wie hier skizziert, dürften die Ziele im S&P 500 folglich zwischen 1462 und 972 Punkten liegen.
Würde es möglich sein, den Shutdown schnell wieder aufzuheben, könnte ein günstigeres Szenario eintreten als das, was ich hier skizziert habe.
Kämen weitere Verwerfungen hinzu, die zu einer Verringerung der EPS über 40% führen würden, würden wird langsam aber sicher im 70-90% Bereich ankommen.
Meine Prognose bezogen auf den DAX, der sicherlich durch die genannten Entwicklungen in Mitleidenschaft gezogen werden dürfte, ist – hier riskiere ich bewusst, mich durch eine Festlegung zu blamieren -, dass der deutsche Aktienindex um den 1. Mai herum bei höchstens 7000 Punkten (50% vom Hoch) steht.
Auch 5400 Punkte (60% vom Hoch) wären für mich durchaus nicht überraschend.
Wie üblich hoffe ich, dass es glimpflich abgeht. Ich bin einfach kein Shortie, ich habe zwar eine – wie ich hoffe – ausreichend große Position in Edelmetallen aufgebaut, um in einem krassen Szenario gut zu überwintern. Aber krasse Szenarien haben die unangenehme Eigenarten, dass sie eben genau das sind: krass.
Angenehmer und ungefährlicher wäre es, wenn sich alles in Wohlgefallen auflösen würde und diese Prognose als eine der üblichen lächerlichen Fehleinschätzungen in den Tiefen des Internets bleiben könnte. Hoffen wir drauf.
