Corona – als Realität, als Macht-Vehikel und als Symbol

Ich möchte die aktuelle Kontroverse um die Genehmigung der sogenannten Corona-Demos am heutigen Samstag, 29.8.2020, zum Anlass nehmen, einige Aspekte des Themas zu beleuchten, die in meiner Wahrnehmung häufig zu kurz kommen.

Welche Daten und Fakten werden häufig wenig gewürdigt oder anders gewichtet, als dies rational erscheint?

Vielleicht treten wir mal einen Schritt zurück und betrachten die Entwicklung. Ganz zu Beginn der Pandemie wurde die öffentliche Debatte unter ganz anderen Vorzeichen geführt als aktuell. Das Virus war zunächst in China (und dann in Italien) – und somit weit weg.

Der bayrische Ministerpräsident Söder beschimpfte Menschen, die Covid-19 für eine gefährliche und potentiell bedrohliche Erkrankung hielten als Verschwörungstheoretiker. Der Bundesgesundheitsminister Spahn riet von der Benutzung von Masken ab.

Interessant an den politischen und medialen Äußerungen aus dem Januar und Februar 2020 ist der Ton, der in vielen Bereichen demjenigen ähnelt, der auch heute angeschlagen wird. Nur dass sich die Inhalte, die vertreten werden, stark gewandelt haben.

Als eine erste Hypothese kann demnach formuliert werden, dass bereits vom Anfang an in Äußerungen von Politikern und Medienvertretern ein autoritärer Zug zu vernehmen war, der sich bis heute durchzieht.

Gehen wir zurück zum 16. März 2020. Das ist der Zeitpunkt, als in NRW die Schulen geschlossen worden sind.

Was waren die Ziele des ersten Lockdowns? Eine Parole lautete „die Kurve abflachen“. Hier war der Hintergrund, dass Deutschland über eine bestimmte Zahl an Intensivbetten und Beamtmungsgeräten verfügt.

Inzwischen hat sich die Zielsetzung ein Stück weit gewandelt. Dies hängt auf der rein sachlichen Ebene ein Stück weit damit zusammen, dass es inzwischen deutliche Evidenzen dafür gibt, dass eine Covid-19 Erkrankung das gesamte Organsystem befallen und massive Langzeitschäden bewirken kann. Auch hat man inzwischen deutlich mehr Daten, so dass sich die Theorien, die von medizinischer Seite vertreten werden, deutlich fundiert und ausdifferenziert haben.

Dabei tritt für den regelmäßigen Leser medizinischer Veröffentlichungen und Medienberichten eine Diskrepanz zu Tage, die meiner Ansicht nach eine gewissen Irrationalität anzuzeigen scheint.

Während es im medizinischen Diskurs zunehmend klarer wird, dass das Übertragungsrisiko im Außenbereich deutlich geringer ist als in Innenräumen, ändern sich die medialen Bilder in keinster Weise.

Geht es in den Medien um Infektionszahlen, werden diese regelmäßig mit Bildern illustriert, die Menschen zeigen, die sich in Biergärten, an Stränden, in Parks, auf Demonstrationen, kurz gesagt also an der frischen Luft aufhalten, wo das Infektionsrisiko sehr gering ist.

Hier tritt der Widerspruch zu Tage, dass auf der einen Seite Demonstrationen wie am heutigen Samstag zum Skandal erhoben werden (linke Demonstrationen in einem anderen Kontext übrigens nicht, was auf einen gewissen Doppelstandard und eine gewisse politische Einseitigkeit hinweisen könnte), andererseit zeitgleich die Maskenpflicht an Schulen in NRW aufgehoben wird.

Hier wird eine gewisse Entkopplung des medial-politischen Raumes von den Ergebnissen der medizinischen Betrachtung sichtbar, die weiter beobachtet und analysiert werden sollte.

Aus demokratie- und verfassungstheoretischer Sicht sind besonders die erwähnten Doppelstandards ein Faktum, das Grund zur Sorge bereiten könnte.

Meine Anregung besteht darin, bei solchen Dingen, die medizinisch viel bringen, einen Schwerpunkt zu setzen. Also zum Beispiel bei der Frage der Maskenpflicht in Schulen (in NRW) eine Verlängerung dieser Maßnahme umzusetzen und mit einem Sofortprogramm dafür zu sorgen, dass alle Klassenräume tatsächlich ausreichend gelüftet werden können.

Bei Phänomenen, die aus medizinischer Sicht einen geringen Stellenwert haben, täte deutlich mehr Gelassenheit gut.

Und wir sollten nicht vergessen, dass die Pandemie eines Tages auch wieder vorbei ist.

Auch dann sollten unsere politischen, juristischen und ökonomischen Systeme weiterhin und am besten auch nachhaltig funktionieren.

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