Beatmungskapazitäten als objektives Nadelöhr in der Corona-Krise

Im Mai schrieb ich in dem Beitrag https://linuxdiesunddat.wordpress.com/2020/05/03/beatmungskapazitaeten-remdesivir-und-die-dynamik-von-hammer-and-dance/:

„Eine zu große Lockerung mag zwar mittelfristig betrachtet früher zu einer Herdenimmunität führen als eine restriktive Politik. Sobald die Intensivbetten-Kapazitätsgrenze (…) überschritten wird, würden alle Menschen, die ohne intensivmedizinische Maßnahmen nicht überleben könnten, sterben. Ein zu strenger Shutdown wiederum würde dazu führen, dass die Lebensqualität dauerhaft extrem eingeschränkt würde. Auch die Grundrechte der Bevölkerung würden in einem starken Maße tangiert. Vom wirtschaftlichen Schaden dieses Vorgehens gar nicht zu reden. Eine große Gefahr bei einem strengen Shutdown besteht darin, dass jederzeit erneut ein exponentielles Wachstum auftreten könnte, so dass ein erneuter Shutdown (mit allen negativen Nebenwirkungen und Implikationen) vonnöten wäre.“

Dem ist im Prinzip wenig hinzuzufügen.

Außer die Bemerkung, dass in der aktuellen Debatte der Aspekt der Beatmungskapazitäten zu kurz kommt.

Die Gefahr bei einem explosionsartigen Anstieg der Infektionszahlen ist meiner Ansicht nach nicht in erster Linie die Frage der Langzeitfolgen (diese Frage kann, weil es ja um Langzeitfolgen geht, nach einem halben Jahr kaum fundiert beantwortet werden). Es geht darum, ob die Anzahl der Intensivbetten und der Beatmungsgeräte ausreicht.

Und es geht darum, darauf hat mich gestern, nachdem sie mir die von meiner Frau sehr rechtzeitig bestellte Grippeimpfung in den Arm gejagt hatte, meine Hausärztin aufmerksam gemacht: Der eigentlich Knackpunkt ist, dass genügend fachkundiges Personal zur Verfügung stehen muss, dass die Beatmungsgeräte auch fachkundig bedienen kann.

Ist dies nicht der Fall, verrecken die Leute auf dem Intensivbett, neben dem intakten Beatmungsgerät.

So simple. So cruel.

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