Zinswende? Steigende Zinsen und die Folgen

Eine Reihe von Marktbeobachtern interpretieren Äußerungen der US-Finanzministerin, dass Zinsen für die US-Wirtschaft eine gute Idee seien, so, dass sie langfristig steigende Zinsen anvisiert.

Wenn dies so käme, wäre dies nach 40 Jahren eine vollkommen neue Phase in den Finanzmärkten. Vier Jahrzehnte lang sanken die Zinsen. Vor dem Hintergrund einer sich verschlechternden Bonität der Vereinigten Staaten brauchen die US-Amerikaner höhere Zinsen, um ihre Staatsschulden mittels der Staatsanleihen zu finanzieren.

Was passiert, wenn die Zinsen tatsächlich steigen sollten? Zunächst einmal muss man verstehen, dass der Zins der Preis für das Geld ist. Höhere Zinsen bedeuten, dass es teurer wird eine Immobilie zu kaufen. Sich Geld für sein Unternehmen zu leihen. Und auch, dass die Staaten für ihre Staatsschulden einen höheren „Preis“ zahlen müssen.

Diese Erstwirkungen setzt eine Reihe von Zweitwirkungen in Kraft.

Steigt der Zins in den USA stärker als die Inflation steigt der Realzins. In der Folge dürfte der Goldpreis gen Süden abdrehen, also fallen. Der US-Dollar wird stärker werden und die Inflation in den USA wird sinken, das heißt im Umkehrschluss, dass das Währungspaar EUR/USD fallen wird. Auch US-Staatsanleihen werden im Preis fallen (was sie immer tun, wenn die Zinsen steigen). Ab einem bestimmten Zinsniveau ist es für Anleger attraktiver zu einem „risikolosen Zins“ Anleihen zu kaufen statt „riskante“ Aktien zu halten. In der Folge werden Aktien verkauft und Anleihen gekauft. Die Aktienkurse können einbrechen. Dies wird besonders solche Werte treffen, die überbewertet sind und denen kein hohes Wachstum zugetraut wird.

Die Bewertung von Aktien hängt in erster Linie von den sogenannten Earnings ab, also von den Gewinnen, die ein Unternehmen generiert. Hat eine Unternehmen eine gesunde Bilanz, braucht es wenig Fremdkapital (zu steigenden Zinsen) aufzunehmen. Gerade junge Tech-Unternehmen finanzieren ihr starkes Umsatzwachstum aber häufig über Schulden. Hier steigen die Finanzierungskosten und der Aktienkurs könnte in vielen Fällen leiden. Andere Unternehmen, die ebenfalls wachsen (wie zum Beispiel Amazon oder Facebook – Offenlegung: ich bin in beide Werte investiert) haben eine sehr gesunde Bilanz und generieren schon seit langer Zeit kontinuierlich einen Kapitalfluss, der es ihnen ermöglicht, mit wenig Schulden weiter zu wachsen. Solche Unternehmen dürften nur dann Kurseinbußen in einem relevanten Ausmaß erleiden, wenn sie überbewertet sind.

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