Ach ja, die politischen Überzeugungen. Man haut einmal eine Meinung raus. Legt sich fest. Wiederholt seine Meinung.
Im Gehirn passieren interessante Dinge. Mit jeder Wiederholung wachsen die Synapsen zwischen immer den gleichen Neuronen, die aktiviert werden. Sie werden mit jeder erneuten Aktivierung stärker. Irgendwann tritt eine sogenannte exitatorische Verschaltung ein. Wenn Neuron 1 aktiviert wird, wird automatisch auf Neuron 2 aktiviert. Und umgekehrt. Und weil es für das Gehirn so schön ökonomisch ist, wenn ein Automatismus abgespult wird, funkt überdies noch das Belohnungszentrum. Dopamin wird ausgeschüttet.
All diese Prozesse sind uns nicht bewusst. Automatismen entziehen sich weitgehend unserer Wahrnehmung.
Das Ganze heißt bei manchen Autoren in der Psychologie (oder auch in den Wirtschaftswissenschaften) auch Ankereffekt. Wie auch immer.
Der Punkt ist der, dass man irgendwann seine Meinung für richtig hält, weil man seine Meinung halt schon öfter geäußert und im Anschluss daran automatisiert hat.
Das Fatale an (auch bei nicht funktionalen) Automatismen ist, dass sie sich um ihrer selbst Willen erhalten.
Genau wie andere Systeme.
Man verteidigt ein einmal gefälltes Urteil, weil es halt das erste Urteil war, das man gefällt hat.
Man vertritt eine Meinung halt, weil es diejenige Meinung ist, die man auch gestern vertreten hat.
Es muss das Team „Kochkurs Nudelsalat mit Sojasauce“ (oder was auch immer) einfach deshalb geben, weil es das Team schon gestern gab. Auch wenn es heute vollkommen überflüssig ist.
Es muss XXX geben, weil es das auch schon gestern gab.
Etwas ist gut, weil wir es gewöhnt sind.
Dopamin muss fließen.
Das haben wir schon immer schon so gemacht.
Am wahrscheinlichsten ist, was ich am leichtesten abrufen kann.
Am Tag vor Thanksgiving ist der Truthahn zufrieden. Alles ist gut. Alles ist, wie es schon immer war. Die ganzen 999 Tage vorher.
Guten Appetit.
