Woher kommen die Impfgegner im deutschsprachigen Raum? Eine große Gruppe, die besonders im Südwesten Deutschlands einflussreich sind, sind die Anthroposophen. In dieser Artikelserie wird nach dem Vorbild eines Fortsetzungsromans täglich ein weiterer Einblick in das irrationale Denken der Anthroposophie gegeben. Als Beispiel dient die Rassentheorie Rudolf Steiners.
Der Gesamttext erschien 2012 unter dem folgenden Titel: Heiko Seiffert (2012): Rassistische Elemente in der Anthroposophie (1904 bis 1953). Shaker Verlag, 14,90 €.
2.3.1 Genese der „Grundrasse“
Ähnlich wie bei Blavatsky, der die heutigen Differenzierungen der Menschheit als Relikte des atlantischen Zeitalters gelten1, ist auch Steiners Theorie gegenwärtiger „Rassen“ in eine übergreifende Lehre der Schöpfung von Mensch und Erde eingebunden und eng verknüpft mit der Annahme einer Menschheitsentwicklung, die sich als Abfolge von „Wurzelrassen“ vollziehe.
2.3.1.1 Anthropogenese
Das Steinersche Evolutionsmodell ist radikal anthropozentrisch. Als Sinn der Weiterentwicklung galt ihm der Mensch2, dessen Entwicklung gänzlich in die Entwicklung Kosmos eingebunden sei. Die Bewußtseinsstufen der Menschheit
fänden ihre Entsprechung in der Weltentwicklung: der Mensch habe bereits vor der Erde, deren Ausbildung parallel zur Menschheitsrevolution sich vollzogen habe, existiert. Er sei das Produkt geistiger Wesenheiten, die ihn planmäßig geschaffen und sich parallel zum menschlichen Bewusstseinsfortschritt höher entwickelt hätten.3
Die Menschheitsentwicklung zerfalle in sieben Zeitalter (auch „Kreisläufe“ oder „planetarische Verkörperungen“ genannt) in denen die Erde jeweils ein anderer Planet gewesen sei: „Die Sache ist so, dass die Erde, bevor sie eben >Erde< geworden ist, Mond war, noch früher Sonne und noch vorher Saturn.“4
Jedem Zeitalter ist bei Steiner jeweils eine menschliche Bewusstseinsstufe zugeordnet. Die Entwicklung verlaufe vom dumpfen Saturnbewusstsein, das den geistigen Entwicklungsstand der Minerale gleiche, über das heutige Bewusstsein des Menschen hin zu einem gottgleichen Zustand, dem schöpferischen (überspirituellen) Bewusstsein, der es ermögliche, die eigenen unmittelbar zu materialisieren. Parallel zur Höherentwicklung des Bewusstseins verlaufe sowohl die Menschenentwicklung aus ersten Keimformen heraus über den heutigen Zustand hin bis zum Göttlichen als auch die Transformationen der geistigen Wesenheiten, die wie der Mensch zu Beginn jedes Zeitalters eine Bewusstseinsstufe höher stiegen.
Dies gelte jedoch nicht für alles Wesen: „Auf allen Stufen blieben Wesenheiten zurück.“5 So seien Minerale, Pflanzen und Tiere Degenrationsprodukte des Menschen, das heißt zurückgebliebene Nachfahren früherer Menschenformen. Auch die geistigen Wesenheiten seien diesem Grundgesetz unterworfen. So befänden sich im Erdzeitalter neben den „Geistern der Form“ auch degenerierte („luziferische“) „Geister der Bewegung“ auf der Stufe des schöpferischen (überspirituellen) Bewusstseins.6
Die von Steiner behauptete Gesamtentwicklung – allerdings ohne die degenerierten geistigen Wesenheiten – bis zum gegenwärtigen Erdzeitalter fasst das folgende Schaubild zusammen: Nachdem im Saturnzeitalter die „Geister des Willens“ die ersten Anlagen zum psychischen Leib, im Sonnenzeitalter die „Geister der Weisheit“ den Ätherleib, im Mondzeitalter die „Geister der Bewegung“ den Ätherleib geschaffen hätten und in einer Entwicklungslinie der „höhere Mensch“, bestehend aus Geistselbst, Lebensgeist und Geistmensch, sich entwickelt habe7, bestehe der Sinn des Erdzeitalters darin, „die beiden getrennten Menschensprünge zusammenzuführen.“8
Wie dieser Prozess vonstatten gegangen sein soll, beschreibt die Wurzelrassentheorie, die sich stark vereinfacht und wir folgt zusammenfassen lässt: Die Menschheit des Erdzeitalters durchläuft mehrere „Rassenzustände“9, von denen bislang 25 abgeschlossen wurden. Die ersten 21 dieser “Rassenzustände“ bildeten abgeschlossene Zyklen zu je sieben “Rassen“10 und bereiteten den heutigen Menschen vor.11 Der gegenwärtige Zyklus dient der Entwicklung geistiger Kräfte, die den Menschen ausmachen: „Schritt für Schritt tritt der Mensch den Eroberungszug durch seine eigene Wesenheit an. Die lemurische Menschheit bedeutete die Eroberung des Astralleibes, die atlantische Menschheit bedeutete die Eroberung des Lebensleibes (Ätherleib), und unsere gegenwärtige Menschheit bedeutet die Eroberung des physischen Leibes. Darauf folgt die Eroberung der geistig-seelischen Kräfte, welche die Aufgabe unserer Zeit ist.“12 Im Verlauf dieser Entwicklung hat der Mensch in zunehmendem Maße seine heutigen Eigenschaften erlangt. Der Mensch, der zunächst (in der polarischen und hyperboräischen Epoche) ätherisch gewesen ist, verdichtete sich im Verlauf der weiteren Entwicklung zunehmend und gelangte schließlich an einen Punkt, an dem die Regungen der Seele, die erst in lemurischen Zeitalter in den Körper eintrat, keinen unmittelbar prägenden Einfluss auf seine Physignomie sehr ausübten. Auch Karma, Reinkarnation und die Aufteilung in zwei Geschlechter entstanden ebenso wie die ersten Anfänge des Geistes und des Ich in der lemurischen Epoche.13
| Saturn- Zeitalter | Sonnen- Zeitalter | Mond- Zeitalter | Erd- Zeitalter | Bewusstseins- Zeitalter |
|---|---|---|---|---|
| Geister des Willens | Geister der Weisheit | Geister der Bewegung | Geister der Form | Schöpferisches (über-spirituelles) Bewusstsein |
| Geister der Weisheit | Geister der Bewegung | Geister der Form | Geister der Finsternis | Gottseeligkeit |
| Geister der Bewegung | Geister der Form | Geister der Finsternis | Söhne des Feuers (Erzengel) | Überpsychisches Bewusstsein |
| Geister der Form | Geister der Finsternis | Söhne des Feuers | Söhne des Zwielichts (Engel) | Psychisches Bewusstsein |
| Geister der Finsternis | Söhne des Feuers | Söhne des Zwielichts | MENSCHEN | Gegenständliches Bewusstsein, Menschenstufe |
| Söhne des Feuers | Söhne des Zwielichts | MENSCHEN | Tiere | Dumpfes Bilderbewusstsein |
| Söhne des Zwielichts | MENSCHEN | Tiere | Pflanzen | Dumpfes Bewusstsein |
| MENSCHEN | Tiere | Pflanzen | Minerale | Saturnbewusstsein |
Tab. 1: Steiners Evolutionsmodell: Entwicklung der „geistigen Wesenheiten“ und des Menschen im Zusammenhang mit der menschlichen Bewusstseinsentwicklung.
Erst in der Mitte des Zeitalters nahm der Mensch sein heutiges Aussehen an, nachdem er beispielsweise während des lemurischen Zeitalters eher einem Reptil glich.14 Erst auf Atlantis hatten die „Geister der Form“ ihre Arbeit vollendet und den Menschen gemäß ihrer Form gestaltet.15
Die Anthropogenese verlief Steiners Ansicht nach also als ein hierarchisch strukturierter Prozess, der von Geistern verschiedener Entwicklungsstufen angeleitet wurde. Die „Wurzelrassen“ stellten für Steiner in dieser Mechanik einen von vielen „Rassen“-Zyklen das, denen andere Kreisläufe übergeordnet waren. Dem gesamten Prozess soll die ständige Gefahr zu scheitern und zurückzubleiben und damit von einer weiteren Höhenentwicklung ausgeschlossen zu werden als Korrektiv zugrunde liegen, das alle beteiligten Wesen zwingt, ihr Bestes zu geben, um nicht aus der Entwicklung heraus zufallen.
2.3.1.2 Differenzierung der Menschheit während der atlantischen Epoche
Nach ähnlichen Gesetzen wie der Anthropogenese verlief für Steiner auch die Genese der „Grundrassen“ und der „wilden Völker“ (Pygmäen, Buschmänner). Letztere blieben seiner Meinung nach gemeinsam mit den Affen als Degenerationsprodukte zurück.16 Steiner folgte mit dieser Auffassung Blavatsky, die behauptete, dass die Lemurier „jetzt auf Erden durch ein paar elend ausstehende Stämme und die großen menschenähnlichen Affen“ repräsentiert seien.17 Auch die Theorie, dass die Genese der „Grundrassen“ sich im atlantischen Zeitalter vollzogen habe, geht auf Blavatsky zurück: Ihr galten die „Unterrassen“ der atlantischen Menschheit als diejenigen, welche die ersten gemischten „Rassen“ von verschiedenen „Farben“ gebildet hätten.18
Darüber, wie die Genese der „Grundrassen“ konkret verlaufen sein soll, machte Steiner widersprüchliche Angaben, die sich allerdings, wenn man die einzelnen Äußerungen systematisiert und zueinander in Beziehung setzt, zumindest annähernd miteinander in Einklang bringen lassen.
Insgesamt lassen sich Steiners Äußerungen in vier Gruppen zusammenfassen, die ich in den folgenden Ausführungen „Modelle“ beziehungsweise „Ableitungsweisen“ der Existenz von „Rassen“ nennen werde. Das erste Modell geht von einem Konflikt zweier Gruppen von Geistern aus, das zweite von einer Verhärtung von Organsystemen, das dritte unterstellt Unterschiede in der Ich-Entwicklung und das vierte Wanderungsbewegungen als auslösende Faktoren der Genese von „Rassen“.
Ich werde nun die verschiedene Ableitungsweise der Existenz von „Rassen“ nacheinander darstellen und auseinander in Beziehung setzten.
Das erste Modell leitet die Existenz verschiedener „Rassen“ aus einem Konflikt zwischen „normalen Geistern und der Form“ und „abnormalen Geistern der Form“ ab, die sich beide auf die gleichen befänden und auf den Menschen einwirkten.19 Die „abnormalen Geister der Form“ seien ursprünglich „Geister der Bewegung“ gewesen, hätten sich aber gegen den „normalen Weg der Geister der Bewegung“ aufgelehnt und seien deswegen degeneriert.20 Deshalb träten sie heute als „luziferische Wesenheiten“21 oder „Rassegeister“22 in Erscheinung.
Hätten die „Geister der Form“, von denen es sieben gebe, „in der entsprechenden Weise, wie sie es für sich allein und ihre Gemeinschaft sich vorgenommen haben“, wirken können, wäre „der eigentliche Ich-Mensch“ entstanden.23
Dies sei jedoch durch die Existenz der degenerierten Geister verhindert worden, so dass die „Herstellung des irdischen Gleichgewichts“, welche die Mission der „normalen Geister der Form“ darstellte, gefährdet gewesen sei.24
Um den Einfluss der „Rassegeister“ einzudämmen, hätte sich, da „der Mensch so gedacht war im ganzen Weltenplan, dass eine Menschenform über die Erde hin hätte Platz greifen sollen“25, einer der „normalen Geister der Form“ von den anderen abgeordnet und fortan vom Mond aus gewirkt, während die restlichen Geister auf der Sonne verblieben seien. Die „Rassengeister“ hingegen hätten ihren Mittelpunkt in den Planeten Saturn, Jupiter, Mars, Merkur und Venus gefunden und von dort aus die Differenzierung der Menschheit in „Rassen“ bewirkt.26Vermittelt sei dieser Vorgang durch die „atlantischen Orakel“, die höchsten Mysterienstätten der damaligen Zeitepoche, gewesen, die eine Neuverteilung der Menschen eingeleitet und so die Bildung von „Rassen“ initiiert hätten.27
Denn durch die so ausgelösten Wanderungsbewegungen seien die Menschen unter den Einfluss der verschiedenen „Rasse“-Geister geraten. Wer unter den Einfluss des Mars sich befunden habe, sei schwarz geworden („Rasse der Neger“ oder „Merkur- Rasse“), die Venus habe Malayen (oder „Venus-Rasse“) erzeugt, der Mars die Mongolen (oder „Mars-Rasse“), der Saturn die Indianer (oder „Saturn-Rasse“) und der Jupiter die Weißen (oder „Jupiter-Rasse“) hervorgebracht.28
Das zweite Modell leitet die Existenz von „Rassen“ aus vorzeitigen Organsystemverhärtungen ab: Während die Ursemiten, die fünfte atlantische „Unterrasse“, „nicht bei irgendeiner Verhärtungsform“ im Verlauf des oben29 charakterisierten Prozesses der physischen Verdichtung „stehen blieben, sondern sich immer weiter fortentwickeln konnten“30, seien die Vorfahren der Malayen, Indianer, Schwarzen und Mongolen aus der vorgesehenen Menschheitsentwicklung ausgeschert und als „degenerierte Menschenrassen“ in der Entwicklung zurückgeblieben.31
Dabei seien die Vorfahren der Indianer durch die frühzeitige Verhärtung des Knochensystems, die Schwarzen die Auswirkungen eines zu früh verhärteten Ernährungssystems und die Malayen durch ein Nervensystem, das bei ihnen zu früh sich verdichtet habe, entstanden. Den Mongolen sei ursprünglich das „Ich im Blute“ zu früh verhärtet.32
Diese Ableitungsweise steht scheinbar im Widerspruch zum ersten Modell. Jedoch schrieb Steiner in „Mission einzelner Volksseelen“ dem Merkur eine besondere Wirkung auf das menschliche Drüsensystem, der Venus, vermittelt über die Atmung, eine besondere Wirkung auf das („niedere“) Nervensystem und den Mars Einfluss auf das Blut zu. Der Saturn soll das Drüsensystem gereizt und auf dem Umweg über andere Systeme eine Verknöcherung des Menschen bewirkt haben. Der Jupiter habe vermittelt über die Sinne ebenfalls das Nervensystem beeinflusst.33
Da darüber hinaus das Drüsensystem den Ätherleib repräsentieren soll34, der schon im anthroposophischen Menschenbild als Träger von Ernährung, Wachstum und Fortpflanzung fungiert35, kann gesagt werden, dass sich die Ableitung der Existenz von „Rassen“ aus einem Konflikt geistiger Wesenheiten und das Modell, das die „Rassen“-Genese aus frühzeitigen Organsystemverhärtungen ableitet, nicht grundsätzlich widersprechen.
Das dritte Modell leitet die Existenz von „Rassen“ aus verschiedenen Ausprägung des Ich in der atlantischen Zeit ab und setzt ebenfalls ein konflikthaftes Zusammenwirken von „Geistern der Form“ und degenerierten „Geistern der Bewegung“ voraus: In der atlantischen Zeit, in der sich der menschliche Leib noch nach den geistigen Eigenschaften hätte gestalten können, sei durch die Existenz „abnormaler Geister der Form“ der Plan der „normalen Geister der Form“, dem “eigentlich(en) Ich-Mensch(en)“ zu schaffen, vereitelt worden.36 Die zurückgebliebenen Wesenheiten seien noch nicht so weit gewesen, „dass sie den Menschen bei der Ausarbeitung ihres Geistselbst“, das wie Oben bereits dargestellt das erste dem Ich übergeordnete Wesenglied des Menschen sein soll37, „unterstützen konnten.“ Die Folge sei gewesen, „dass sie auf einen noch nicht bis zum Ich vorgedrungenen Astralleib wirkten.“38 Diese hätten sich in der atlantischen Zeit ab einem gewissen Zeitpunkt im Niveau ihrer Ich-Entwicklung zu unterscheiden begonnen.
Erstens habe es „Normalmenschen“39 gegeben, deren Ich-Gefühl, Egoismus und Innerlichkeiten dem Plan der „normalen Geister der Form“ entsprechend ausgeprägt gewesen sei. Bei ihnen „hielten sich Hingabe an die Außenwelt und Ich-Gefühl die Waage.“40 Aus diesem Grund seien sie von den Eingeweihten der atlantischen Orakel als „das entwicklungsfähigste Volk“41 um sich gesammelt worden, nachdem sie zuvor mit anderen Menschen vermischt gewesen seien.42
Daneben habe es Menschen gegeben, bei denen „ein furchtbar starkes Ich-Gefühl“ ausgebildet gewesen sei. Bei ihnen habe dies zu einer Verhärtung des Körpers „in Egoität“ und zu einer Stagnation der Entwicklung geführt,43 sie hätten sich damals rot beziehungsweise gelblichbraun verfärbt, weil Rot „die Farbe der Egoität“, das Äußere von Innen her durchdrungen habe.44 Die Nachfahren dieser Menschen seien die heutigen Indianer, Malayen (und Asiaten).45
Die dritte Gruppe habe sich durch ein unterentwickeltes Ich-Gefühl ausgezeichnet. Während die Vorfahren der Indianer und Malayen nach Westen gewandert seien, sei diese Gruppe nach Osten gezogen und hätte eine schwarze Hautfarbe angenommen.46
Dies Ableitungsweise knüpft zwar nahtlos an die erste an, steht dafür allerdings unverbunden neben dem zweiten Modell: Außer beim Blut, das das Ich im physischen Leib repräsentieren soll, lässt sich keine Brücke zwischen dem Niveau der Ich-Entwicklung und Verhärtungsgraden der Organsysteme bei Steiner ausmachen.
In Steiners Spätwerk „Vom Leben des Menschen und der Erde“, das Vorträge enthält, die Steiner 1923 gehalten hat, wird die Existenz von Malayen und Indianern aus Wanderungsbewegungen abgeleitet: Dadurch, dass Asiaten nach Osten gewandert seien, seien sie in Gebiete erhöhter Sonneneinstrahlung geraten, die eine Braunfärbung ihrer Haut bewirkt habe. Die Indianer hingegen seien dadurch entstanden, dass Schwarze nach Westen in Gebiete mit geringerer Sonneneinstrahlung als in Afrika gewandert seien, was eine Rotfärbung der Haut hervorgerufen habe. Einzig die Weißen könnten auswandern, ohne zu einer neuen „Rasse“ zu werden.47
Diese Modell stellt jedoch keine vollständige Ableitung der Existenz von „Rassen“ dar, sondern ergänzt das zuvor dargestellte: Während bei der Ableitung der Existenz von „Rassen“ aus Unterschieden der Ich-Entwicklung die konkreten Genesestränge unklar geblieben sind (besonders hinsichtlich der Asiaten), werden nun Weiße, Asiaten und Schwarze als ursprüngliche „Rassen“, aus denen Indianer und Malayen entstanden sein sollen, gesetzt.
Mehr noch: In „Geisteswissenschaftliche Menschenkunde“ behauptet Steiner nicht nur, dass „Rassen aus Unterschieden der Ich Entwicklung resultierten, sondern, dass die unterschiedliche geistige Beschaffenheit der Menschen geführt habe, dass sie sich geographisch nach ihren Vorlieben verteilt hätten, was dazu geführt habe, dass Hautfarbe und Sonneneinstrahlung zu Determinanten des menschlichen Seelenlebens geworden seien.48 Die Annahme von Wanderungsbewegungen als Ursache der Differenzierung in „Rassen“ stellt also einen Teilaspekt der dritten Ableitungsweise der Existenz von „Rassen“ dar.
Sehr vereinfacht gesprochen ist für Steiner also Primärursache der Existenz von „Rassen“ ein weit zurückliegender Konflikt zwischen „Geistern der Form“ und degenerierten „Geistern der Bewegung“, der die weitgehend voneinander unabhängigen Sekundärursachen Organsystemverhärtung und unterschiedliche Ich-Entwicklung haben soll.
1 Vgl. Blavatsky, Geheimlehre II, S. 237.
2 So bestehe beispielsweise der Sinn der gegenwärtigen Erde darin, die von Steiner postulierten zwei “Menschensprünge“ zusammen zu führen (vgl. Steiner Akasha- Chronik, S. 198).
3 Ich fasse hier und im Folgenden soweit nicht anders vermerkt Steiners Äußerungen in der “Akasha- Chronik“ (S. 142-200) zusammen.
4 Ebd. S. 142.
5 Steiner, Welt, Erde, Mensch, S. 106.
6 Vgl. Steiner, Mission einzelner Volkseelen, S. 103.
7 Vgl. Steiner Akasha- Chronik, S. 170, 181/182 und 194/195.
8 Ebd. S. 198
9 Steiner, Die Apokalypse des Johannes, S. 207
10 Vgl. Steiner, Grundelemente der Esoterik, S. 190ff.
11 In der Steiner “Akasha- Chronik“ (S.198) behauptet Steiner, die ersten drei Erdkreisläufe wiederholten die vorausgegangen “planetarische(n) Systeme“. Das bedeutet, dass eine qualitativ neue Entwicklung für Steiner erst im vierten Erdkreislauf einsetzte. Vgl. Steiner “ Die Welträtsel“, S. 153.
12 Steiner, Die Welträtsel, S. 153.
13 Vgl. Steiner Akasha Chronik. S 26-110
14 Vgl. Steiner, Welt, Erde und Mensch. S.97 und Ders.: Kosmogonie Populärer Okkultismus. Das Johannes-Evangelium (1906) , Dornach 1979 (GA 94) S. 165.
15 Vgl. Steiner, Welt, Erde und Mensch. S.99.
16 Vgl. Steiner, Welt, Erde und Mensch. S.99.
17 Blavatsky, Geheimlehre II.
18 Ebd.
19 Vgl. Steiner, Mission einzelner Volkseelen, S. 103ff.
20 Vgl. Steiner, Die geistige Wesenheiten, S. 167f. und Abschitt 2.3.2.2.
21 Steiner Welt, Erde und Mensch. S.102.
22 Steiner, Mission einzelner Volkseelen, S. 107.
23 Ebd. S. 101f.
24 Ebd. S. 102.
25 Steiner, Die geistige Wesenheiten, S. 168.
26 Steiner, Mission einzelner Volkseelen, S. 63 uns S. 102f.
27 Vgl. ebd. S. 105.
28 Vgl. ebd. S. 104.
29 Abschnitt 2.3.1.1.
30Steiner, Welt, Erde und Mensch. S.107. Das die zitierte Stelle die Ursemiten meint, wird aus dem Verweis Steiners darauf deutlich, dass die thematisierte Gruppe im atlantischen Zeitalter in der Nähe Irlands beheimatet gewesen sei. An anderer Stelle (Steiner, Die Welträtsel, S. 146) gibt Steiner an, dass die Ursemiten ihren Hauptsitz im heutigen Irland gehabt hätten.
31 Vgl. Steiner, Welt, Erde und Mensch. S.106f.
32 Vgl. ebd..
33 Vgl. Steiner, Mission einzelner Volkseelen, S. 107ff.
34 Vgl. ebd. S. 107.
35 Nach Ullrich, Waldorfpädagogik, S. 85.
36 Siehe Anmerkung 69.
37 Vgl. Abschnitt 1.2.3.
38 Steiner, Welt, Erde und Mensch. S.101.
39 Steiner, Geisteswissenschaftliche Menschkunde, S. 285.
40 Ebd.
41 Ebd. S. 286.
42 Vgl. ebd. S. 285f.
43 Ebd.
44 Ebd. S.286.
45 Vgl. ebd. S. 285ff. Die Zuordnung der Asiaten an dieser Stelle ist unsicher, weil einerseits die Hautfarben die hier vorkommende Einteilung nahe legt, Steiner an anderer Stelle (S. 289) allerdings Schwarze und Asiaten gleichsetzt: “Nicht das “Ich“ betont diese afrikanisch-asiatische Bevölkerung.“
46 Vgl. ebd. S. 286.
47 Steiner, Welt , Erde und Mensch, S. 60ff.
48 Vgl. Steiner, Geisteswissenschaftliche Menschenkunde, S. 285ff.
