Nach der FED – wie sieht es aus?

28.01.2022. Kupfer fällt, Value ist stabil, Tech steigt (leicht), die 5-jährigen Inflationserwartungen sind weitgehend stabil (leicht steigend) und die Zinsstrukturkurve sinkt (aktueller Spread 0.63). Im Moment sieht es vordergründig so aus, als sei alles in der Schwebe und könnte sich beruhigen.

Dieser Eindruck könnte aber täuschen. Hat der Markt vor einem Monat noch drei Zinsschritte eingepreist, sind es aktuell fünf. Konkret wird die Wahrscheinlichkeit, dass es bis zum 14. Dezember 2022 acht Zinsschritte geben wird, zur Zeit bei 0,5% (28.12.2021: 0,0%). Sieben Zinsschritte werden mit einer Wahrscheinlichkeit von immerhin 6,5% erwartet (28.12.2021: 0,3%). Sechs Zinsschritte 22,6% (28.12.2021: 2,5%). Fünf Zinsschritte 34% (28.12.2021: 10,4%). Vier Zinsschritte 25,4% 28.12.2021: 23,6%).

Wer eine wesentliche Ursache für die Nervosität der Märkte sucht, findet sie in diesen Zahlen.

Eine Leitzinserhöhung bedeutet, dass die kurzlaufenden Zinsen steigen. Diese können von der FED direkt beeinflusst werden. Ein Zinsschritt bedeutet dabei eine Steigerung um 0,25%. Aktuell liegt der Korridor bei 0 bis 0,25%. Würde es also zu fünf Zinsschritten kommen, läge der Zins in einem Korridor von 1,25 bis 1,5%.

Was sind die Folgen einer Zinserhöhung? Sehr vereinfacht gesagt führt eine Leitzinserhöhung in den USA zunächst dazu, dass der Dollar steigt. Das bedeutet, dass das Währungspaar EUR/USD fällt, weil das Zinsniveau in den USA steigt, es in Europa aber zur Zeit stabil bleibt (warten wir es ab, wie lange die EZB das durchhält).

Die Erwartung einer Leitzinserhöhung kann eine Asset-Rotation triggern. Ab einem bestimmten Zinsniveau ist es für viele (Groß-)Anleger attraktiver, in Anleihen zu investieren, statt das Geld in Aktien anzulegen. Zunächst werden aber spekulative Werte unter Druck geraten. Wenn die Zinsen dann tatsächlich spürbar steigen, kommt es darauf an, wie die Zinsen zur Dividendenrendite der Aktien liegen.

Im Augenblick bewegen sich die Zinsen am kurzen Ende in einem Korridor von 0 bis 0,25%. Dies ist der sogenannte „risikolose“ Zins. Die Dividendenrendite des S&P 500 beträgt Stand heute 1,36%.

Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass steigende Zinsen am kurzen Ende (neben einer Rezession) die häufigsten Auslöser für eine Korrektur am Aktienmarkt sind. Eine solche Situation (die Zinsen am kurzen Ende werden durch die FED erhöht, am langen Ende bei den langlaufenden Anleihen bleiben sie also stabil, so dass die Zinsstrukturkurve flacher wird) wird als Bear Flattener bezeichnet. Wie der Name schon andeutet, ist solch eine Situation „bärisch“ (also schlecht) für Aktien und Wirtschaft.

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