So zynisch es klingen mag: die Zinsmärkte werten die Ukraine-Krise zunehmend als irrelevant.
Die 5y US-Inflationserwartungen steigen (von 1,96 am 18.02. auf 2.13 am 2.03. – also um 8,7% in zwei Wochen) und auch der Kupferpreis zieht an. Diese Kombination ist dann der Fall, wenn die großen Player am Markt davon ausgehen, dass keine relevanten Risiken drohen.
Nach einer Abschwungphase am Markt, wie sie von der hochschießenden US-Inflation, der hawkishen FED und der Ukraine-Krise ausgelöst worden ist, bedeutet eine solche Entwicklung, dass viele spekulativ ausgerichteten Marktteilnehmer die Zeit für gekommen halten, Growth-Aktien zu kaufen (zumindest kurzfristig). Ich persönlich wäre da skeptisch.
Dass gleichzeitig die Market Yield auf die 10y US-Staatsanleihen sinkt und der Marktzins der 3m US-Staatsanleihen seit dem 15. Februar gesunken ist, kann als Bull Flattener bezeichnet werden. Dies bedeutet, dass die Zinsstrukturkurve flacher wird, allerdings unter für Aktien bullishen Vorzeichen. Heißt: Der Zinsmarkt signalisiert, dass (US-amerikanischen) Aktien steigen werden.
Angesichts des Leidens der ukrainischen Bevölkerung kommt einem so etwas wie der blanke Zynismus vor.
Man könnte die Stimmung an der Wallstreet wohl ungefähr so auf den Punkt bringen:
„Hey Leute, wir haben zwar grundsätzlich ein Problem mit der Inflation, aber so what, wir haben ja Krieg. Und Krieg ist gut für das Geschäft! Die blöden Deutschen mit ihrer saudummen Energiewende (die sie – thanks Mr. Putin – gerade beerdigen müssen) müssen jetzt unser Flüssiggas kaufen und auch die Kohle- und Atomkraftwerke weiter laufen lassen. Auch die Rüstungsindustrie brummt, also was soll’s mit dem blöden Krieg. Und by the way: ist Europa nicht schön weit weg? Let’s party!“
Big Money. Ein Spiel der Psychopathen.
