Zum Glück ist meine Prognose vom 26.2.2022 bezüglich des Kriegsverlaufs vollkommen falsch gewesen.
Inzwischen ist die Situation auch an den Märkten stark verändert. Die wichtigsten Indizes befinden sich samt und sonders im Crashmodus.
Durch die hohen Rohstoffpreise ist inzwischen ein dynamisches Inflationsgeschehen etabliert, das bereits zu deutlichen Zinserhöhungen geführt hat.
Vor diesem Hintergrund häufen sich negative Prognosen. So prognostiziert beispielsweise Michael Burry einen Absturz des S&P 500 auf 2000 Punkte.
Derzeit (1.10.2022) steht der S&P 500 bei 3585 und hat von seinem Höchststand aus betrachtet bereits 22,7% verloren.
Ausgehend von der aktuellen Inflationsrate in den USA (8,3%) ergäbe sich ein S&P500-Zielkurs von 2100 Punkten, was vom Allzeithoch auch betrachtet ein Drawdown von 56,7% und vom aktuellen Kurs aus ein Rückgang von 41% wäre.
Aus der Perspektive der Dividenden sieht die Situation beim derzeitigen Stand so aus, dass der S&P 500 zur Zeit 93 USD Dividende liefert. Um (wiederum mit 2% Risk-Premium gerechtet) ergäbe sich hier also ein Zielkurs von 2473.
Nimmt man die vom Markt erwartete 1y-Inflation als Grundlage (diese liegt aktuell, Stand 1.10.22 bei 4,17%) so ergäbe sich hingegen ein Kursziel von 3505, was bedeuten würde, dass wir beim jetzigen Kurs einen Boden ausbilden müssten.
Geht man vom aktuellen Zins der 10y-US Staatsanleihen aus (3,76%) und veranschlagt das übliche 2% Risk-Premium landet man bei einem Zielkurs von 3755, was ebenfalls dafür spricht, dass der Boden gefunden ist.
Auf der Grundlage der aktuellen Earnings ergibt sich folglich das Bild, das aktuelle Horrorprognose wie sie von Michael Burry geäußert werden, keine Grundlage haben.
All diese Berechnungen legen die aktuellen Earnings zu Grunde.
Hierzu muss man kritisch anmerken, dass Inflation und Leitzinserhöhungen dazu führen können, dass die Gewinne der Firmen massiv unter Druck geraten. Hierfür haben sich in den vergangenen Monaten viele Anhaltspunkte ergeben.
Bleibt die Inflation noch einige Zeit auf dem aktuellen Niveau oder führen die Zinserhöhungsschritte der FED tatsächlich dazu, dass etwas bräche, würde sich schlagartig ein vollkommen anderes Bild ergeben.
Die vertrackte Aufgabe besteht aktuell also darin, das Unprognostizierbare zu prognostizieren.
Und dies in einer Situation, in der es keine offensichtlichen sicheren Häfen zu geben scheint.
Die Aufgabe, sinnvolle Investitionsentscheidungen zu treffen, bleibt folglich anspruchsvoll – und leider hat niemand von uns eine Glaskugel, die in irgend einer Weise weiterhelfen würde.
