Der Psychologe Kevin Dutton hat in seinem Buch Schwarz.Weiß.Denken die These aufgestellt, dass der Mensch über eine Art Kategorisierungsinstinkt verfügt. Dieser Instinkt, so Dutton, stamme aus der Steinzeit und führe dazu, dass wir Meinungen und Informationen blitzschnell einordnen. Dabei spielen die binären Gegensatzpaare „gut oder schlecht“, „Angriff oder Flucht“ und „wir oder die“ eine zentrale Rolle.
Der Klassifikationstrieb führe, so Dutton, zu einer Neigung zum Gruppendenken.
In der Steinzeit war der Klassifikationstrieb sehr nützlich. Heute führe er oft zu Problemen. Das kann man besonders gut in der Politik oder im Bereich der sozialen Medien beobachten.
Ein großes Problem des Gruppendenkens ist, dass abweichende Meinungen nicht berücksichtigt oder sogar ausgegrenzt werden.
Dies kann zu schwerwiegenden Fehlentscheidungen führen. Zudem begünstigt Gruppendenken die Entstehung und Verfestigung von Feindbildern.
Eine differenzierte Betrachtung von Problemen wird durch Gruppendenken mehr oder weniger unmöglich gemacht, denn die meisten Dinge im wirklichen Leben sind nicht weiß oder schwarz, sondern grau.
Dutton führt dazu folgendes Beispiel an:
Schwarz wäre die Aussage, Terroristen sind geisteskrank.
Die Aussage, Terroristen sind zurechnungsfähig, wäre dagegen weiß.
Grau hingegen, so Dutton, wäre die Aussage, dass sich viele Terroristen vielleicht wie Geisteskranke verhalten, in Wirklichkeit aber durchaus zurechnungsfähig sind. Der Prozess der Radikalisierung, so Dutton, ist für ein ganz normales Individuum durchaus denkbar und kann dieses Individuum quasi in einen Geisteskranken verwandeln und dazu führen, dass dieses Individuum aus einer rationalen Perspektive heraus Wahnsinnstaten begeht.
Sie merken sicher sofort, um wie viel länger der dritte Satz ist. Und deshalb wehrt sich unser Gehirn gerne dagegen und sucht nach einfachen Abkürzungen. Willkommen in der Steinzeit!

