Iran und Venezuela: Gemeinsam gegen US-Sanktionen – Zusammenarbeit im Energiesektor wächst

Der Iran wird vom Westen mit Sanktionen belegt. Grund ist der begründete Verdacht, dass das Land sein Atomprogramm weiter vorantreibt. Nichtsdestotrotz ist der Iran sowohl auf wirtschaftlicher als auch auf diplomatischer Ebene sehr aktiv.

Die Aktivitäten der iranischen Außenpolitik scheinen sich im Moment vor allem auf den mittelamerikanischen Raum zu konzentrieren. So ist der iranische Außenminister zur Stärkung der bilateralen Beziehungen mit der iranischen Regierung am 2. Februar in Nicaragua eingetroffen. Gleichzeitig berichten die US-Internetplattformen Oilprice.com und thecraddle.co übereinstimmend, dass der Iran Venezuela bei der Überholung eines großen Ölraffineriekomplexes helfen wolle.

Thecradle.co berichtet über den Besuch des iranischen Außenministers Hossein Amir-Abdollahian in Nicaragua. Der iranische Spitzendiplomat traf sich in Managua mit seinem nicaraguanischen Amtskollegen Denis Moncada und unterzeichnete eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit. Nicaragua kann von der iranischen technologischen und industriellen Entwicklung profitieren. Der Iran nimmt Lateinamerika ernst. Beide Länder vertiefen ihre Freundschaft und den politischen Dialog. Das erklärten die Politiker.

Gleichzeitig gibt es eine weitere Entwicklung: Die venezolanische Raffinerie Paraguana wird in Kürze eine 100-tägige Überholung beginnen, um ihre Rohöldestillationskapazität wiederherzustellen, wie anonyme Quellen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag mitteilten.

Die Arbeiten sollen gemeinsam von Venezuelas PDVSA und der iranischen National Oil Refining and Distribution Company (NIORDC) durchgeführt werden. Das berichtet das Portal thecradle.com.

Um die einseitigen US-Sanktionen zu überwinden, haben Venezuela und der Iran ihre Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren deutlich intensiviert. Der Iran wird in den kommenden Wochen mit einer umfassenden Überholung des größten venezolanischen Ölraffineriekomplexes, des Paraguana Refining Center, beginnen, so informierte Quellen, die mit Reuters sprachen. Die Nachricht wurde wenige Stunden nach dem Treffen des iranischen Außenministers Hossein Amir-Abdollahian mit dem venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro während eines offiziellen Besuchs in Caracas am 3. Februar bekannt gegeben.

Strategisches Ziel des Irans scheint es zu sein, die US-amerikanische Raffinerieindustrie zu schwächen, indem Venezuela beim Aufbau eigener Kapazitäten unterstützt wird. In den letzten zehn Jahren ist die venezolanische Ölindustrie aufgrund von Missmanagement, Korruption und mangelnden Investitionen in die Instandhaltung zusammengebrochen.

Die von Ex-Präsident Donald Trump verhängten US-Sanktionen gegen die venezolanische Ölindustrie und -exporte haben zur Lähmung der Industrie und zur Abschreckung ausländischer Unternehmen vor einem Engagement in Venezuela beigetragen. 2009 wurde die venezolanische Ölindustrie von der US-Regierung mit Sanktionen belegt.

Im Oktober letzten Jahres wurde die Amuay-Raffinerie des Paraguana-Raffineriekomplexes mit einer Kapazität von 950.000 bpd (Barrel pro Tag) nach einem Stromausfall und einem Brand in der Anlage stillgelegt – nicht zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte. Im Dezember fiel die Anlage erneut aus.

Wenige Wochen später ging die venezolanische Raffinerie Cardon – ebenfalls Teil des Paraguana-Raffineriekomplexes mit einer Kapazität von 310.000 bpd – vom Netz. Die Anlage, die für die Produktion von Benzin zuständig ist, wird für 25 Tage außer Betrieb sein. Das gaben die Mitarbeiter der Anlage in der vergangenen Woche bekannt.

Die Probleme in der venezolanischen Raffinerie haben zu Engpässen in der Benzinversorgung des Landes geführt. Im Einzelhandel kam es zu Wartezeiten von mehreren Stunden.

Venezuela hat die größten Rohölreserven der Welt, ist aber seit Jahren nicht in der Lage, seinen Rohöl- und Raffineriesektor im Normalbetrieb zu betreiben.

Die Erweiterung des eigenen Handlungsspielraums und die Umgehung der Sanktionen scheinen Ziel der iranischen Aktivitäten zu sein. Darüber hinaus scheint der Iran die Möglichkeiten zu nutzen, die sich aus dem Chaos und der Neuordnung der Interessenlage ergeben, die durch die Sanktionen gegen Russland entstanden sind.

Eine Reihe von geostrategischen Akteuren wittert offenbar die Chance zur Aushebelung des Petrodollarsystems (Öl kann nur gegen Dollar verkauft werden).

Beispielsweise weist das Vorgehen Indiens in eine solche Richtung: Indische Ölraffinerien haben begonnen, den Großteil ihres russischen Öls über in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige Händler in der Währung des Golfstaates, dem Dirham, statt in US-Dollar zu kaufen, wie mehrere informierte Quellen am 3. Februar gegenüber Reuters erklärten.

Da möchte man fast rufen: „Joe Biden gibt fein acht, du wirst sonst um den Schlaf gebracht!“

Quellen:

https://thecradle.co/article-view/21025/iranian-foreign-minister-arrives-in-nicaragua-to-strengthen-bilateral-relations

https://oilprice.com/Latest-Energy-News/World-News/Iran-To-Help-Venezuela-Overhaul-Major-Refinery-Complex.html

https://thecradle.co/article-view/21083/iran-to-begin-major-revamp-of-venezuelas-largest-oil-refinery-within-weeks-report

https://thecradle.co/article-view/21089/indian-refiners-purchase-russian-crude-in-emirati-currency-report

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