Technologischer Wandel ist keine Frage der Moral

“Wie? die Menschheit verdummt zugunsten des maschinellen Fortschrittes, und wir sollten uns diesen nicht einmal zunutze machen? Sollten mit der Dummheit Zwiesprache halten, wenn wir ihr in einem Automobil entfliehen können?” (Karl Kraus)

https://www.textlog.de/kraus/aphorismen/iv-presse-dummheit-politik

Der technologische Fortschritt bringt uns neue Möglichkeiten und gesellschaftliche Veränderungen durch künstliche Intelligenz, Automatisierung, Biotechnologie, das Internet der Dinge, Big Data und Technologieunternehmen.

Maschinen können nun scheinbar wie Menschen denken und drohen, viele Arbeitnehmer zu ersetzen. Die Biotechnologie ermöglicht es, Organismen zu verändern und neue Materialien herzustellen. Das Internet der Dinge vernetzt Geräte und Gegenstände zu einer automatisierten Welt. Big Data analysiert große Datenmengen für die Wirtschaft, das Gesundheitswesen oder den öffentlichen Sektor. Technologiekonzerne kontrollieren und beeinflussen die Gesellschaft. Intelligente Waffensysteme werfen moralische Fragen auf. Palantir analysiert große Datenmengen für Geheimdienste und Militär und könnte die Privatsphäre verletzen.

Technologischer Fortschritt führt uns in eine Zukunft voller Fragen und Konsequenzen, aber immerhin wird das Leben einfacher… oder etwa nicht?

Die technologische Entwicklung stellt die Gesellschaft vor eine Vielzahl von Herausforderungen, und obwohl es einige Lösungsansätze zu geben scheint, sind die Aussichten in Wirklichkeit eher düster.

Verantwortungsvolle Technologieentwicklung wird in der Praxis oft vernachlässigt, und es gibt keine Garantie, dass Regulierung und Überwachung wirksam sind, um mögliche negative Auswirkungen einzudämmen. Aber sind Regulierung und Aufsicht überhaupt sinnvoll? Ist es überhaupt realistisch, technologische Entwicklungen steuern zu können?
Vielfach erzeugen Maßnahmen, die unerwünschte Entwicklungen eindämmen sollen, unbeabsichtigte Effekte und Regelwerke, die von allen eher als lästig denn als hilfreich empfunden werden.


Eine umfassende Aufklärung und Bewusstseinsbildung wird, so glauben manche, die Gesellschaft nur begrenzt für mögliche Risiken und Chancen sensibilisieren, da viele Menschen apathisch und unwissend bleiben. Aber: ist es nicht vielleicht auch grundsätzlich zu hinterfragen, ob eine moralisierende und technologiefeindliche Perspektive, wie sie in solchen “Informationen” häufig mitschwingt, wirklich hilfreich und realitätsgerecht ist?


Die Zusammenarbeit zwischen Technologieunternehmen und der Gesellschaft ist häufig von Interessenkonflikten geprägt, und es besteht wenig Hoffnung, dass sie in der Lage sein wird, Bedenken und Forderungen in angemessener Weise zu berücksichtigen. Ethik-Kommissionen und -Gremien haben – zum Glück – nur eine begrenzte Macht und sind oft von Unkenntnis und Inkompetenz geprägt.

Neue Entwicklungen werden (in Deutschland) fast immer als Bedrohung und weniger als Chance wahrgenommen.

Realität ist das, womit man zurechtkommt“, schrieb der amerikanische Essayist Robert Anton Wilson (Kevin Dutton, Gehirnflüsterer). Das Problem ist, dass die Deutschen mit sehr wenig zurechtkommen. Stattdessen ist für sie fast alles eine Frage der Moral. Und wenn das mal nicht so klappt, dann bricht ein unberechenbarer Furor aus, bei dem man sich besser in Sicherheit bringen sollte.

Es liegt nicht an uns, uns zwischen maschinellem Fortschritt und dem Erhalt unserer menschlichen Intelligenz zu entscheiden.

Im Gegenteil: Es wäre gut, wenn wir unsere eigene Hybris ein wenig zurückschrauben würden.

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