Schon vor dem Ukraine-Krieg waren die Bedingungen für eine Inflation günstig: Die Zentralbanken pumpten jahrelang Liquidität ins System. Den theoretischen Rahmen dafür lieferte die Modern Monetary Theory.
Modern Monetary Theory (MMT)
Die Modern Monetary Theory (MMT) ist eine makroökonomische Theorie. Sie besagt, dass Regierungen, die ihre eigene Währung ausgeben, keine Kredite aufnehmen müssen, um ihre Ausgaben zu finanzieren. Stattdessen, so die Befürworter dieser Theorie, können sie durch die Ausgabe von neuem Geld in der Wirtschaft eine höhere Beschäftigung und Produktivität erreichen. Die MMT argumentiert, dass die Geldmenge in einer Volkswirtschaft kein begrenzender Faktor ist und dass Inflation erst dann zu einem Problem wird, wenn die Wirtschaft an die Grenze der Vollbeschäftigung stößt. Sie fordert auch eine aktive Rolle des Staates bei der Steuerung der Wirtschaft durch die gezielte Förderung von Arbeitsplätzen, öffentlichen Investitionen und Einkommensumverteilung.
Dies hat sich in der Praxis als Fehlschluss erwiesen: Bereits vor dem Ausbruch des Ukraine-Krieges argumentierten Kritiker der MMT, dass eine übermäßige Ausweitung der Geldmenge zu Inflation und Wechselkursinstabilität führen und eine unkontrollierte Verschuldung langfristig die Stabilität der Wirtschaft gefährden könne. Dies ist ein wesentlicher Teil der aktuellen Problematik.
Ursachen von Inflation
Inflation kann verschiedene Ursachen haben. Oft sind es, wie derzeit, externe Krisen, die beispielsweise den Ölpreis in astronomische Höhen treiben.
Es kann sich aber auch um eine anders geartete externe Krise handeln. So war einer der Auslöser der Hyperinflation in Deutschland 1923 der Einmarsch der Franzosen ins Ruhrgebiet und der darauf folgende Generalstreik. In der Vergangenheit kam es auch vor, dass ein extremer Boom, der zu einer starken Überhitzung der Wirtschaft führte, inflationäre Tendenzen auslöste.
Wenn die Inflation aus dem Ruder läuft, kommt es zu mehreren Entwicklungen.
Zinserhöhungen und andere Folgen der Inflation
Die Konsumenten geraten unter Druck, weil die Ausgaben für das tägliche Leben deutlich schneller steigen als die Löhne.
Die Zentralbanken reagieren in der Regel mit Leitzinserhöhungen.
Auch die Zinsen für langfristige Staatsanleihen, die Bauzinsen und die Zinsen für Kreditkarten und Dispokredite steigen. Die Menschen haben also weniger im Portemonnaie.
Steigen die Zinsen für kurzfristige Anleihen über 4 Prozent, kommt es oft zu einer Art Rutschbahneffekt.
Viele smarte Anleger erkennen, dass die niedrigen Zinsen für Tagesgeld weniger lukrativ sind als die Renditen für kurzfristige Anleihen.
Wenn dieser Abzug der Gelder von den Konten der Großanleger zu einer Bankenkrise führt, beginnen die Menschen sich zu fragen, ob ihre Einlagen bei der Bank noch sicher sind.
Denn anders als bei Aktien oder Anleihen bleibt das Geld auf dem Konto im Falle einer Insolvenz der Bank nur dann beim Kontoinhaber, wenn die Einlagensicherung greift.
Daher wird noch mehr Geld abgezogen (und z.B. in kurzlaufende Anleihen investiert), so dass das Eigenkapital der Banken weiter schmilzt und immer mehr Banken in Schwierigkeiten geraten können.
Die Banken versuchen dann, die Risiken zu minimieren, um das Geld zusammenzuhalten. Dies gelingt ihnen am besten, wenn sie für die Vergabe von Krediten mehr Sicherheiten verlangen. Das kann zum Beispiel eine höhere Eigenkapitalanforderung bei einer Immobilienfinanzierung sein.
Leider geraten durch die höheren Zinsen und die strengeren Kreditvergaberegeln auch die Immobilienpreise zunehmend unter Druck, so dass Immobilienkäufer noch mehr Eigenkapital benötigen, um einen Kredit zu bekommen. Gleichzeitig verliert die zu beleihende Immobilie an Wert.
Invertierung der Zinsstrukturkurve
Spätestens zu diesem Zeitpunkt dreht sich zudem oft die Zinskurve. In diesem Jahr ist das schon seit einigen Monaten der Fall.
Eine Inversion der Zinsstrukturkurve bedeutet, dass die Verhältnisse am Zinsmarkt auf den Kopf gestellt werden. Normalerweise ist es so, dass die Rendite von kurzfristigen Anleihen niedriger ist als die Rendite von langfristigen Anleihen.
Das macht auch Sinn: Wenn ich Geld für 2 Jahre leihe, ist mein Risiko geringer als wenn ich es für 10 Jahre leihe.
Bei einer inversen Zinsstrukturkurve sind diese Verhältnisse jedoch umgekehrt. Am 8. März 2023 rentierten 2-jährige US-Staatsanleihen 1,07% höher als 10-jährige US-Staatsanleihen. Dies ist in der Regel ein sicherer Indikator für eine kommende Rezession.
Rezession und Ende der Krise
Kommt es zu einer Inflation, steigt die Arbeitslosenquote oft drastisch an. Wenn dies geschieht (eine Faustregel besagt, dass es wirklich kritisch wird, wenn die Arbeitslosenquote stärker steigt als die Inflationsrate), gerät die Zentralbank unter Druck und sieht sich gezwungen, den Leitzins zu senken.
Eine solche Leitzinssenkung wird aber von vielen Anlegern als schlechtes Zeichen gewertet (”Die Zentralbank senkt den Leitzins, dann muss alles ganz schlecht sein”), was zunächst zu einem raschen Ausverkauf an den Aktienmärkten führt.
Nach einiger Zeit normalisiert sich die Lage aber wieder, schließlich bedeutet eine Zinssenkung ja auch, dass sich die Finanzierungsbedingungen verbessern. Verbessern sich die Finanzierungsbedingungen, steigt die Liquidität. Wenn die Liquidität steigt, steigen die Aktienmärkte.
Wenn das so kommt, wie es in der Vergangenheit oft der Fall war, könnten uns unruhige Zeiten bevorstehen. Was also tun? Ehrliche Antwort: Keine Ahnung. Treffen Sie Ihre eigenen Entscheidungen und übernehmen Sie die Verantwortung. Viel Glück!
