6.6.2023. Der Kachowka-Staudamm wird gesprengt. Die Welt zeigt auf Russland. Die Russen wiederum sind verständlicherweise anderer Meinung. Die internationalen Auswirkungen auf die Nahrungsmittelversorgung dürften in den kommenden Jahren erheblich sein.
Die Ukraine ist ein wichtiger Akteur im globalen Weizenhandel und war 2021 der fünftgrößte Weizenexporteur der Welt. Auf das Land entfallen etwa 10 % der weltweiten Weizenexporte, die hauptsächlich für Entwicklungsländer in Afrika und im Nahen Osten bestimmt sind.
Die Ukraine ist ein großer Weizenproduzent mit einer Gesamtproduktion von 33 Millionen Tonnen im Jahr 2021. Die Weizenproduktion des Landes konzentriert sich auf die südlichen und östlichen Regionen, die auch am stärksten vom anhaltenden Krieg mit Russland betroffen sind. Der Krieg hat die Weizenproduktion und die Weizenexporte der Ukraine gestört, und es wird geschätzt, dass die Weizenexporte des Landes bis 2022 um bis zu 50 % zurückgehen könnten. Und das war vor der Sprengung des Staudamms.
Die von den Märkten antizipierte Entwicklung des Weizenpreises kann auf der hier verlinkten Seite des Portals http://www.finanzen.net verfolgt werden.
Die Unterbrechung der Weizenexporte aus der Ukraine hat zu einem starken Anstieg der Weltmarktpreise für Weizen geführt. Seit Beginn des Krieges ist der Weizenpreis zunächst extrem in die Höhe geschossen. Aktuell steht er immer noch um 50% höher als zum Beginn der Kriegshandlungen und es wird erwartet, dass er in den kommenden Monaten hoch bleiben wird. Der Anstieg der Weizenpreise gefährdet die Ernährungssicherheit in vielen Entwicklungsländern, und es wird geschätzt, dass Millionen von Menschen von Hunger bedroht sein könnten.
Der Krieg in der Ukraine hat auch erhebliche Auswirkungen auf den globalen Düngemittelmarkt. Die Ukraine ist ein wichtiger Produzent von Düngemitteln. Der Krieg hat die Produktion und den Export von Düngemitteln unterbrochen. Die Unterbrechung der Düngemittelexporte führte zu einem starken Anstieg der weltweiten Düngemittelpreise. Der Anstieg der Düngemittelpreise verteuert die Nahrungsmittelproduktion. Es wird erwartet, dass dies in den kommenden Monaten zu einem Anstieg der Nahrungsmittelpreise führen wird.
Der Krieg in der Ukraine hat erhebliche Auswirkungen auf das globale Ernährungssystem. Die Unterbrechung der Weizen- und Düngemittelexporte aus der Ukraine führt zu höheren Lebensmittelpreisen und belastet die Ernährungssicherheit in vielen Entwicklungsländern. Der Krieg unterbricht auch die globalen Nahrungsmittelversorgungsketten und macht es schwieriger, Nahrungsmittel dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden. Der Krieg in der Ukraine ist eine schwere Krise für die Ernährungssicherheit und wird wahrscheinlich dauerhafte Auswirkungen auf das globale Ernährungssystem haben.
Die hier skizzierte Situation spiegelt sich natürlich auch auf den Future-Märkten wider: Die aktuelle Positionierung der Weizenhändler, die sich im Commitments of Traders-Report (COT) widerspiegelt, zeigt eine Netto-Long-Position von 195.414 Kontrakten. Das bedeutet, dass es mehr Händler mit Long-Positionen (die auf steigende Preise setzen) als mit Short-Positionen (die auf fallende Preise setzen) gibt. Da die Händler auf steigende Weizenpreise setzen, hat die Netto-Long-Position in den letzten Wochen zugenommen.
Die Netto-Long-Position ist wichtig, weil sie die Richtung künftiger Preisbewegungen anzeigen kann. Eine Netto-Long-Position deutet darauf hin, dass die Händler mit steigenden Preisen rechnen. Dies kann zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung führen, da die Käufe der Händler die Preise nach oben treiben können.
Der Anstieg der Netto-Long-Position, der maßgeblich durch die oben skizzierten Zusammenhänge bestimmt wird, wird durch die Auswirkungen der Staudammsprengung massiv verstärkt.
Sollte der Damm tatsächlich von Russland gesprengt worden sein, könnte es Putin auch um die indirekten Auswirkungen der Wassermassen gegangen sein: Hohe Weizenpreise führen erfahrungsgemäß zu Aufständen, politischer Destabilisierung und Chaos im Nahen Osten und in Afrika. Dies wiederum produziert Flüchtlingsströme und andere Stressfaktoren für den Westen, die vor allem Europa betreffen werden.
In diesem Fall wäre die Sprengung des Staudamms ein teuflisches Spiel über Bande.
