Die geostrategischen Implikationen des jüngsten Putsches im westafrikanischen Niger werfen ein Schlaglicht auf das langjährige asymmetrische Verhältnis Frankreichs zu seinen ehemaligen Kolonien in Afrika. Der Artikel „France never stopped looting Africa, now the tables are turning“ des Autors Brad Pearce auf thecradle.co wirft einen kritischen Blick auf die französische Afrikapolitik und zeigt, wie sich die Dynamik zwischen den Ländern allmählich verändert.
Neokolonialismus im Fokus
Pearce argumentiert, dass Frankreich trotz des scheinbaren Endes der Kolonialära seine Interessen in Afrika nie aufgegeben hat, sondern sie durch subtile Mechanismen des Neokolonialismus aufrechterhält. Die zentrale These seines Beitrags lautet, dass die Beziehungen zwischen Frankreich und seinen afrikanischen Partnern nach wie vor von Ausbeutung geprägt sind, sich aber langsam wandeln.
Frankreichs Interessen in Niger
Der jüngste Staatsstreich in Niger hat gezeigt, wie sensibel die französischen Interessen in der Region sind. Zum einen spielt die Politik der „Francafrique“ eine Rolle, bei der Frankreich wirtschaftlich von seinen ehemaligen Kolonien profitiert. Zum anderen ist Frankreich stark auf den Uranabbau im Niger angewiesen, der einen wichtigen Teil der französischen Atomenergieproduktion ausmacht. Trotz dieser Abhängigkeit haben nur wenige Nigerianer Zugang zu verlässlicher Elektrizität.
Der Wandel und die Reaktion des Westens
Der Artikel befasst sich auch mit der wachsenden Unabhängigkeitsbewegung in Westafrika und deren Einfluss auf das geopolitische Gleichgewicht. Die Befürchtung des Westens, dass eine größere Unabhängigkeit den Einfluss von Ländern wie Russland und China in Afrika stärken könnte, spiegelt eine besorgte Sicht auf die sich verändernde Dynamik wider. Die Reaktion des Westens auf diese Entwicklungen zeugt häufig von einem Missverständnis der Souveränität afrikanischer Länder und dem Wunsch, die eigene globale Vorherrschaft aufrechtzuerhalten.
Geldpolitik und Kontrolle
Die wirtschaftliche Manipulation durch Frankreich zeigt sich auch im CFA-Franc-System, das die Währungen der ehemaligen Kolonien an den Euro bindet und Frankreich damit eine weitgehende Kontrolle über diese Länder gibt. Dieses System hat nicht nur wirtschaftliche, sondern auch soziale und politische Folgen für die afrikanischen Nationen.
Auf der Suche nach Lösungen
Der Autor betont den dringenden Bedarf an transformativen Führungspersönlichkeiten in Afrika, die in der Lage sind, das Erbe des Kolonialismus zu überwinden und den Weg zu echter Unabhängigkeit und Autonomie zu ebnen. Diese Transformation wird jedoch nicht ohne Herausforderungen verlaufen und könnte sogar zu militärischen Konflikten führen. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass Afrika langfristig in der Lage sein wird, seinen eigenen Weg zu gehen und Wohlstand aus eigener Kraft zu schaffen.
Fazit
Der Beitrag von Brad Pearce beleuchtet die komplexen Beziehungen zwischen Frankreich und seinen ehemaligen Kolonien in Afrika. Er zeigt, wie diese Beziehung sowohl wirtschaftliche als auch geopolitische Implikationen hat und wie die Verschiebungen im globalen Machtgefüge die Dynamik beeinflussen. Es bleibt abzuwarten, wie Westafrika mit diesen Herausforderungen umgeht und wie sich die Beziehungen zwischen den Kontinenten entwickeln werden.
Für Deutschland, das seinen (Atom-)Strombedarf inzwischen zu großen Teilen nach Frankreich ausgelagert hat, könnte die Entwicklung vor allem eines bedeuten: weiter steigende Strompreise.
Quelle: https://new.thecradle.co/articles/france-never-stopped-looting-africa-now-the-tables-are-turning
