In seinem jüngsten Artikel mit dem Titel „Wird die Ermordung von Nasrallah einen größeren Krieg im Nahen Osten auslösen oder verhindern?“ untersucht Ian Parmeter die potenziellen Folgen der Ermordung des Hisbollah-Führers Hassan Nasrallah, die von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu angeordnet wurde. Parmeter analysiert, wie dieses Ereignis die bereits angespannte Beziehung zwischen Israel und der Hisbollah beeinflussen könnte und ob dies zu einer Eskalation oder Beruhigung der Lage führen wird.
Die Asia Times, in der Parmeters Artikel erschienen ist, ist eine international anerkannte Publikation, die sich auf Themen wie Geopolitik, Wirtschaft und Sicherheit in Asien und im Nahen Osten konzentriert. Sie bietet tiefgehende Berichte und Analysen zu regionalen und globalen Entwicklungen. Ian Parmeter, der Autor, ist Forschungsstipendiat an der Australian National University und auf den Nahen Osten spezialisiert. In seiner Arbeit beleuchtet er häufig komplexe regionale Dynamiken und fokussiert sich insbesondere auf militärische Konflikte und deren politische Auswirkungen.
Das Attentat wird als großer persönlicher Sieg für Netanyahu gewertet, aber Parmeter ist besorgt, dass es zu einer größeren israelischen Invasion im Südlibanon führen könnte, wo die Hisbollah über beträchtliche Macht verfügt. Die Hisbollah ist zwar geschwächt, kontrolliert aber immer noch schätzungsweise 40.000 bis 50.000 Kämpfer und verfügt über ein verzweigtes Tunnelsystem entlang der Grenze. Obwohl Israel einen Großteil der Kommando- und Kommunikationsinfrastruktur der Hisbollah zerstört hat, würde eine Bodeninvasion wahrscheinlich zu schweren Verlusten auf beiden Seiten führen. Dennoch erklärt Parmeter, dass Israel, um den Sieg dauerhaft zu sichern, noch weitere Maßnahmen ergreifen müsse. Es müsse die Schwächung der Hisbollah nutzen, um so viel wie möglich von deren Organisation und ihrem Arsenal, bestehend aus 150.000 Raketen und Drohnen, zu zerstören.
Eine weitere große Sorge ist, wie der Iran, der wichtigste militärische Unterstützer der Hisbollah, reagieren würde. Während frühere Attentate auf Schlüsselfiguren wie Qassem Soleimani zu begrenzten militärischen Vergeltungsschlägen führten, vermutet Parmeter, dass der Iran eine Eskalation zu einem umfassenden Krieg vermeiden könnte, insbesondere angesichts seiner strategischen Überlegungen.
Schließlich argumentiert Parmeter, dass die Hisbollah trotz ihrer Schwäche weiterhin ein wichtiger politischer Akteur im Libanon sei und erheblichen Einfluss auf die Regierung und ihre schiitische Basis habe. Auch wenn das Ansehen der Hisbollah im Libanon vor allem nach der Ermordung Nasrallahs gelitten habe, deutet Parmeter an, dass sich die Gruppe erholen und ihren Einfluss in der Region wiederherstellen könnte.
Ich persönlich halte die Perspektive, die Ian Parmeter einnimmt, für sehr bedenkenswert und deutlich differenzierter als viele Meinungsbeiträge im deutschen Diskurs. Es lohnt sich, auch internationale Publikationen in die eigene Meinungsbildung einzubeziehen – der Blick über den Tellerrand verhindert Gruppendenken und das ewige Gefangensein in der eigenen Bubble.
Quelle: https://asiatimes.com/2024/09/will-nasrallahs-killing-drive-or-deter-a-wider-mideast-war/
