Donald ante portas – welche Tendenzen sind bereits erkennbar?

Die Berichterstattung über Donald Trump ist in vielen Fällen von einer ambivalenten Tendenz geprägt, die zwischen Dämonisierung und Unterwürfigkeit oszilliert. An dieser Stelle soll stattdessen der Versuch unternommen werden, einige Aspekte in einer sachlichen Art und Weise aufzubereiten. Schlussfolgerungen sind von einem intelligenten Leser selbst zu ziehen.
Die Regierung unter dem neu gewählten Präsidenten Donald Trump steht vor einem umfassenden Umbau, der sowohl die Zusammensetzung des Kabinetts als auch weitreichende politische und administrative Reformen betrifft.

Das Kabinett

Die zentrale Rolle von Donald Trump Jr. bei der Gestaltung des neuen Kabinetts lässt einen deutlichen Bruch mit der Vergangenheit erkennen und signalisiert den Willen, die Loyalität und ideologische Ausrichtung der Administration zu stärken.
Die Nominierungen von J. D. Vance als Vizepräsident sowie von Robert F. Kennedy Jr. und Tulsi Gabbard in Schlüsselpositionen lassen eine Priorisierung von Anti-Establishment-Persönlichkeiten erkennen. Gleichzeitig verdeutlicht der Rückzug von Mike Pompeo, dass das neue Kabinett auch interne Konflikte und Widerstände überwinden muss. Die stärkere Disziplin unter der Leitung von Stabschefin Susie Wiles trägt dazu bei, diese Herausforderungen zu bewältigen, und mindert den Einfluss familiärer Berater wie Ivanka Trump und Jared Kushner, die in der vorherigen Amtszeit präsenter waren.

Verschlankung des Staates

Gleichzeitig stellen die Bemühungen zur Verschlankung der Regierung und Reduktion bürokratischer Ineffizienzen mit dem neuen Department of Government Efficiency (DOGE) einen zentralen Bestandteil der Trump-Agenda dar. Die Leitung des DOGE, bestehend aus Elon Musk und Vivek Ramaswamy, sieht sich mit der Herausforderung konfrontiert, die Anzahl der Bundesbehörden signifikant zu reduzieren und mindestens zwei Billionen US-Dollar einzusparen. Die Arbeitsweise basiert auf einer Strategie, bei der bestehende Exekutivbefugnisse genutzt werden, um Vorschriften aufzuheben, die nicht ausdrücklich vom Kongress genehmigt wurden. Unterstützt durch wegweisende Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs sollen diese Maßnahmen bis 2026, dem 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika, abgeschlossen sein.

Nahost

Auch auf internationaler Ebene sieht sich die neue Regierung erheblichen Herausforderungen gegenüber. Die Freilassung von Geiseln, die von der Hamas festgehalten werden, sowie der anhaltende Konflikt im Gazastreifen dominieren die außenpolitische Agenda. Die Verantwortung für sieben US-Bürger, von denen vier als lebendig gelten, wird von Trump übernommen. Die Dringlichkeit des Themas wird durch den Druck verdeutlicht, den insbesondere der israelische Präsident Isaac Herzog auf Trump ausübt. Herzog unterrichtete Trump darüber, dass nach Einschätzung israelischer Geheimdienste noch 50 der insgesamt 101 Geiseln am Leben seien. Dies steht im Widerspruch zu Trumps Annahme, dass die meisten Geiseln bereits tot seien. In Gesprächen mit Präsident Biden wurde die Möglichkeit einer Zusammenarbeit zwischen beiden Administrationen erörtert, um eine Lösung vor Trumps Amtsantritt zu finden. Biden signalisierte seine Bereitschaft, Trump den Erfolg zu überlassen, vorausgesetzt, die Geiseln werden sicher nach Hause gebracht.

Übergabe der Sicherheitsverantwortung

Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist der Übergang in der nationalen Sicherheitsverantwortung. In einer Sitzung im Oval Office unterstrich Biden die Relevanz der Unterstützung der Ukraine sowie der Stärkung der NATO. Gleichzeitig präsentierte Trump mit Mike Waltz einen designierten Nationalen Sicherheitsberater, dessen kritische Haltung gegenüber Bidens Außenpolitik aufzeigt, wie unterschiedlich die Ansätze der beiden Administrationen sind. In diesem Kontext unterstrich Jake Sullivan, Bidens Nationaler Sicherheitsberater, die Relevanz eines geordneten Übergangs, um Kontinuität in der nationalen Sicherheit zu gewährleisten. Es wurde vereinbart, dass beide Seiten in den kommenden Wochen eng zusammenarbeiten werden.
Die nominellen Personalentscheidungen und politischen Reformen lassen den Schluss zu, dass die Administration bestrebt ist, bestehende Strukturen zu hinterfragen und gleichzeitig den Fokus auf Loyalität, Effizienz und ideologische Geschlossenheit zu legen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Strategie langfristig erfolgreich sein wird. Die ersten Schritte lassen jedoch klar erkennen, dass die neue Trump-Administration einen Kurswechsel in vielerlei Hinsicht anstrebt.

Schluss

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die bevorstehende Trump-Administration wenig überraschend auf einen umfassenden Kurswechsel hindeutet, sowohl in der innenpolitischen Organisation als auch in der internationalen Ausrichtung. Die Personalentscheidungen und Reformvorhaben lassen eine klare Priorisierung von Loyalität und ideologischer Kohärenz erkennen, während gleichzeitig ambitionierte Pläne zur Verschlankung der Regierung und zur Stärkung der nationalen Sicherheitsinteressen verfolgt werden. Die mit diesem Ansatz einhergehenden Herausforderungen sind jedoch erheblich. Es bleibt abzuwarten, ob die Administration in der Lage sein wird, ihre Ziele zu verwirklichen, oder ob sie durch interne Konflikte, politische Widerstände und komplexe internationale Krisen daran gehindert wird.
Unter Berücksichtigung der initialen Maßnahmen lässt sich prognostizieren, dass die Trump-Ära abermals für kontroverse Diskurse sorgen wird.
Aus deutscher Perspektive erscheinen zahlreiche Entwicklungen, die sich in den USA abzeichnen, bizarr und teilweise sogar alptraumhaft. Die Beantwortung der Frage, welche Ergebnisse sich letztlich einstellen werden, bleibt jedoch einer empirischen Untersuchung vorbehalten.

Quellen:

https://www.wsj.com/opinion/musk-and-ramaswamy-the-doge-plan-to-reform-government-supreme-court-guidance-end-executive-power-grab-fa51c020#cxrecs_s

https://www.axios.com/2024/11/23/trump-justice-department-gaetz

https://www.axios.com/2024/11/23/israel-hamas-gaza-hostages-trump

https://www.axios.com/2024/11/24/trump-biden-national-security-jake-sullivan-mike-waltz-meeting

https://www.reuters.com/world/us/donald-trump-jr-is-helping-his-father-pick-most-controversial-cabinet-modern-2024-11-24/

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