Berichte der Kyiv Post und The Sun zeichnen ein facettenreiches Bild der mutmaßlichen Zusammenarbeit zwischen dem ukrainischen Geheimdienst HUR (Hauptverwaltung für Aufklärung) und syrischen Rebellen, die von der Türkei unterstützt werden. Diese Kooperation beleuchtet strategische Aspekte im Kontext internationaler Machtpolitik und regionaler Konflikte.
Hintergrund und Ziele der Kooperation
Im Mittelpunkt der Berichte stand die Unterstützung syrischer Rebellengruppen durch den ukrainischen Geheimdienst HUR. Ziel dieser Kooperation schien die Verfolgung gemeinsamer Interessen in Konflikten mit Russland und dessen Verbündeten wie dem ehemaligen syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu sein. Die Türkei, ein wichtiger Akteur in der Region, unterstützt seit Jahren bestimmte syrische Rebellengruppen und könnte bei dieser Zusammenarbeit eine vermittelnde oder koordinierende Rolle gespielt haben.
Art der Unterstützung
In den Berichten wurden zwei Hauptelemente der ukrainischen Unterstützung genannt:
Operatives Training: Mitglieder der HUR-Gruppe „Khimik“ sollen Rebellen der Islamischen Partei Turkestans (TIP, siehe Quelle unten) in der syrischen Region Idlib ausgebildet haben. Das Training konzentrierte sich auf Taktiken, die während des Krieges in der Ukraine entwickelt wurden, einschließlich des Einsatzes von Drohnen zu Aufklärungs- und Angriffszwecken.
Entsendung von Drohnen: Laut dem Artikel in The Sun schickte HUR etwa 20 erfahrene Drohnenbediener und etwa 150 Kamikaze-Drohnen nach Syrien. Diese Technologie sollte die Fähigkeit der Rebellen verbessern, ihre Ziele effektiver anzugreifen. Insbesondere Hayat Tahrir al-Sham (HTS), eine einflussreiche Rebellengruppe, wurde als Empfänger dieser Unterstützung identifiziert.
Geopolitische Implikationen
Die Berichte deuteten darauf hin, dass die Kooperation durch mehrere Faktoren motiviert gewesen sein könnte:
Schwächung russischer Allianzen: Russland war ein zentraler Unterstützer Assads. Die Unterstützung der Anti-Assad-Kräfte durch die Ukraine könnte eine indirekte Strategie gewesen sein, um Russlands Einfluss in der Region zu untergraben und seine Ressourcen zu binden.
Ausweitung verdeckter Operationen: Der ukrainische Geheimdienst schien bestrebt, seine Aktivitäten über die Ukraine hinaus auszudehnen. Dies diente sowohl dem Aufbau strategischer Allianzen als auch der Bekämpfung von Gegnern auf internationaler Ebene.
Türkische Interessen: Die Türkei hatte ein starkes Interesse an der Schwächung kurdischer Milizen und der Stabilisierung der von ihr unterstützten Rebellengruppen in Nordsyrien. Die Zusammenarbeit mit der Ukraine könnte im Rahmen einer stillschweigenden Übereinkunft erfolgt sein, von der beide Seiten profitiert haben.
Risiken und Kritik
Die Unterstützung syrischer Rebellen, insbesondere solcher mit islamistischer Ideologie wie TIP oder HTS, birgt erhebliche Risiken. Diese Gruppen sind zu Recht international umstritten und könnten langfristig zur erheblich zur Destabilisierung der Region beitragen. Enge Verbindungen zu solchen Akteuren könnten zudem dem Ansehen der Ukraine im Westen schaden.
Quellen
Kyiv Post: „Ukraine’s Shadow War: Cooperation with Syrian Rebels“ (1.12.2024). https://www.kyivpost.com
The Sun: „Ukraine Sends Drones to Syria in Covert Ops“ (11.12.2024). https://www.thesun.co.uk
https://www.counterextremism.com/armed-opposition-groups-nw-syria/turkistan-islamic-party-tip
