Donald allein zu Haus – Märkte zwischen Unsicherheit und Aufbruch

Viele Menschen sind empört über Donald Trump. Und das zu Recht. Mit seiner Zollpolitik versucht er derzeit, die internationale Ordnung auf den Kopf zu stellen. Auch die Anleihemärkte zeigen, dass es Probleme geben könnte. Oder eine Kernschmelze der Finanzmärkte.

Doch wie steht es wirklich um die großen Marktindikatoren und was sagen sie über die weitere Entwicklung aus? Kommt der von Spitznagel prognostizierte 80-Prozent-Crash oder ist eher mit einer Bodenbildung zu rechnen?

Prognosen sind besonders schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen. Der Blick in die Glaskugel ist daher nicht das Ziel dieses Beitrags. Vielmehr möchte ich die verschiedenen relevanten Indikatoren durchgehen und interpretieren. Die Schlussfolgerungen muss jeder für sich selbst ziehen. Und jedes Risiko trägt sowieso jeder für sich selbst.

Im Mittelpunkt meiner Betrachtung stehen die wichtigsten makroökonomischen Indikatoren: die Tages-, Wochen- und Monatstrends von VIX, Gold, Öl und S&P 500, die aktuellen Zinsniveaus der 2- und 10-jährigen US-Staatsanleihen sowie das Bewertungsniveau des S&P 500 gemessen am KGV und am Schiller-KGV.

Die Analyse begann mit einem Blick auf den VIX. Der Volatilitätsindex notiert aktuell bei 37,56 und damit deutlich über seinem historischen Durchschnitt. Derart hohe Werte treten in der Regel nur in schweren Krisenphasen auf. Entsprechend hoch ist die Marktunsicherheit, ausgelöst durch die politische Eskalation im Handelsstreit.

Anschließend wurde der Goldpreis betrachtet. Dieser hat jüngst mit über 3.200 US-Dollar pro Feinunze ein neues Allzeithoch erreicht. Dieser Anstieg spiegelt eine ausgeprägte Risikoaversion der Marktteilnehmer wider. Gold ist traditionell als sicherer Hafen gefragt, wenn geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Unsicherheiten zunehmen.

Die Ölpreise zeigen dagegen eine andere Dynamik: Brent notiert nach starken Rückgängen zu Monatsbeginn nur noch bei rund 64 US-Dollar pro Barrel. Steigende Fördermengen der OPEC+ und der eskalierende Handelskrieg haben die Nachfrageerwartungen massiv gedämpft.

Der S&P 500 verzeichnete in den letzten Wochen extreme Schwankungen. Nach einem rasanten Einbruch von über 10 % Anfang April konnte sich der Index zuletzt wieder erholen und einen Wochengewinn von rund 5,7 % verbuchen. Diese Erholung signalisiert, dass die Märkte erste Belastungen verarbeitet haben und auf eine Stabilisierung hoffen.

Ein entscheidender Punkt ist die aktuelle Situation an den Anleihemärkten. Die Renditen 2-jähriger US-Staatsanleihen liegen bei 3,971 %, während 10-jährige Papiere mit 4,495 % rentieren. Die Zinsstrukturkurve ist damit nicht mehr invers, sondern zeigt eine normale, aufwärts gerichtete Struktur – ein wichtiges Signal für den Übergang von einer Phase der Rezessionserwartungen zu einer Phase wachsender Konjunkturhoffnung.

Im Detail zeigt sich, dass wir eine klassische „Bull Steepening“-Situation erleben: Die kurzfristigen Zinsen fallen oder stagnieren, während die langfristigen Zinsen steigen. Solche Bewegungen sind typisch für den Beginn eines neuen Aufschwungs, in dem die Wachstumserwartungen dominieren und die Geldpolitik unterstützend wirkt.

Auch die Bewertungen des S&P 500 bestätigen diesen Eindruck. Das aktuelle KGV liegt bei rund 21, das Schiller-KGV bei 29 – beides hohe, aber leicht rückläufige Werte. Es zeichnet sich eine allmähliche Normalisierung ab, die darauf hindeutet, dass die Märkte die Risiken etwas nüchterner einschätzen.

Insgesamt zeichnen die Zinsmärkte und die Fundamentaldaten ein klares Bild: Die Märkte befinden sich in einer frühen Erholungsphase. Risikoanlagen wie REITs, zyklische Konsumgüter und Rohstoffe dürften künftig wieder stärker in den Vordergrund rücken. Defensive Anlagen wie Gold und Basiskonsumgüter verlieren dagegen an relativer Attraktivität.

Die politische Unsicherheit aufgrund der Alleingänge von Donald Trump bleibt ein Belastungsfaktor. Auch die Chartanalyse zeigt mittelfristig einen klaren Abwärtstrend.

Die Marktmechanik selbst deutet jedoch darauf hin, dass eine konjunkturelle Erholung eingesetzt hat. Die nächsten Monate werden zeigen, ob sich dieser zarte Optimismus durchsetzen kann.

Als Fazit lässt sich daher formulieren, dass es für die Markteinschätzung sehr wichtig ist, ob man Donald Trump für einen pathologischen Irren hält, der die Welt kurzfristig in den Abgrund reißen wird. Oder ob man sich an den Charts orientiert. Oder ob man die Zinsmärkte als Indikatoren nimmt. Je nachdem, welchen Ansatz man wählt, kommt man zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Viel Spaß beim Selberdenken!

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