Häufig gelten die Midterm-Jahre als riskant am Aktienmarkt. Für den Nasdaq-100 trifft das jedoch nur bedingt zu. Vielmehr zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Gerade Jahre, also Wahl- und Zwischenwahljahre, sind besonders anfällig für Korrekturen. Nach den starken Zugewinnen von 2025 mehren sich die Warnsignale für Technologieanleger. Eine Kombination aus historischen Mustern, makroökonomischen Belastungen und politischen Unwägbarkeiten deutet darauf hin, dass 2026 ein konsolidierendes und volatiles Jahr für den Nasdaq-100 werden dürfte.
Assymmetrische Folgejahrreaktion nach starken, ungeraden Jahren
Ein Blick in die Vergangenheit offenbart ein bemerkenswertes Phänomen. Der Nasdaq-100 zeigt eine asymmetrische Folgejahresreaktion nach besonders starken, ungeraden Jahren. Wenn das Index-Barometer in einem ungeraden Jahr um mehr als 25 Prozent zulegt, folgt im darauffolgenden geraden Jahr häufig Ernüchterung. Die historischen Beispiele sprechen für sich: 1999 auf 2000, 2017 auf 2018 und 2021 auf 2022. Auf Phasen der Euphorie folgten regelmäßig Rückschläge. Die Durchschnittsrendite solcher Folgejahre liegt mit minus fünf bis plus drei Prozent deutlich unter dem langfristigen Mittelwert. Nach Wachstumsrallys in ungeraden Jahren sind die Bewertungen oft überdehnt, der Leverage im System erhöht und psychologische Übertreibungen eingepreist. Gerade Jahre bringen dann meist geldpolitische Normalisierung, fiskalische Unsicherheit und jenen Mean-Reversion-Effekt, der Technologiewerte besonders hart trifft. Mit 2025 als weiterem starken ungeraden Jahr steht der Nasdaq-100 nun erneut vor diesem historischen Muster.
Erhöhte Rückschlagsgefahr 2026
Vier Faktoren sprechen für eine erhöhte Rückschlagsgefahr im Jahr 2026. Erstens: Das zyklische Muster bestätigt sich. 2025 entwickelt sich bisher zu einem typischen, starken ungeraden Jahr mit zweistelligen Zuwächsen, auf das typischerweise eine Abkühlung oder Korrekturphase folgt. Zweitens: Die Makrolage ist spätzyklisch. Restriktive Realzinsen dämpfen das Wachstum, die Gewinne der Unternehmen stagnieren, das Staatsdefizit liegt bei über sechs Prozent des BIP, und das Finanzministerium könnte die Liquidität weiter verknappen. Für bewertungsempfindliche Wachstumswerte ist dies ein toxisches Umfeld. Drittens: 2026 ist ein Midterm-Jahr und frühere Zwischenwahljahre – etwa 1994, 2002, 2018 oder 2022 – gingen mit überdurchschnittlicher Volatilität einher. Der S&P 500 erreichte in den zwölf Monaten vor Midterms im Schnitt kaum mehr als null Komma drei Prozent Rendite, verglichen mit einem langfristigen Mittelwert von acht Prozent. Der Nasdaq-100 reagiert auf solche Unsicherheiten typischerweise noch empfindlicher. Viertens: Die Bewertungen lassen wenig Spielraum. Mit einem Forward-KGV von über 27 handelt der Index auf anspruchsvollem Niveau. Jede Wachstumsenttäuschung – ob durch schwächere Unternehmensgewinne oder niedrigere IPO-Erlöse – kann überproportionale Kursverluste auslösen. Der Puffer für schlechte Nachrichten ist dünn.
Basisszenario 2026: Konsolidierung
Das Basisszenario für 2026 lautet daher: Konsolidierung statt Crash. Die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur ist hoch; ein Rücksetzer von 15 bis 25 Prozent erscheint realistisch. Wahrscheinlich ist eine volatile Seitwärtsphase bis zum dritten Quartal 2026, bevor eine technische Erholung einsetzt – begünstigt durch das kommende Wahljahr 2027, in dem Märkte historisch wieder besser abschneiden. Eine positive Überraschung wäre nur bei einem schnellen Rückgang der Zinsen oder einem deutlichen Gewinnschub durch KI-Anwendungen denkbar, derzeit aber wenig wahrscheinlich.
2026 dürfte kein Crashjahr, aber ein konsolidierendes und riskantes Jahr für den Nasdaq-100 werden. Anleger sollten sich auf erhöhte Volatilität einstellen, ihre Portfolios eventuell breiter diversifizieren und überzogene Erwartungen dämpfen. Die Erfahrung zeigt: Nach Midterm-Jahren folgt häufig eine kräftige Post-Midterm-Rally. Wer diszipliniert bleibt und Rücksetzer als Einstiegschancen nutzt, könnte 2027 wieder aufatmen. Doch zunächst steht sehr wahrscheinlich eine holprige Fahrt bevor.
Ein Wort zum Abschluss: Es geht hier um Wahrscheinlichkeiten. Es kann auch das Gegenteil des hier beschriebenen Szenarios eintreten. Es bleibt Ihnen deshalb nicht erspart, Ihre eigenen Entscheidungen unabhängig von meiner hier vorgetragenen Einschätzung selber zu treffen.
